Zeitschrift frühe Kindheit – Archiv

Sexualität in der frühen Kindheit

von Christa Wanzeck-Sielert

Sexualität prägt unser individuelles und gesellschaftliches Leben von Geburt an. Kinder kommen als sexuelle Wesen auf die Welt. Sie suchen Kontakt, Wärme, Zärtlichkeit, probieren aus, wie sich Umarmungen, Küsse und Berührungen anfühlen. Dabei spielt der Körper eine wichtige Rolle. Kinder fühlen zunächst körperlich und so werden die ersten „Welt-Erfahrungen“ auch mit dem Körper gemacht. Anzieu versteht den Körepr „als lebenswichtige Dimension des menschlichen Daseins, als grundlegende präsexuelle und nicht reduzierbare Grundlage, an die sich alle psychischen Funktionen anlehnen“ (Anzieu 1992, S. 36).

Kinder sind neugierig auf diese Welt und auf sich selbst. Erwachsene können das nicht immer gelassen mit ansehen und so zeigt sich im gesellschaftlichen Diskurs hinsichtlich kindlicher Sexualität so manches Unsichere, Spannungsreiche und Ambivalente:
– Mit Kindern über Sexualität zu sprechen, fällt vielen Erwachsenen auch heute noch schwer.
– Die in den letzten Jahrzehnten erreichte Bejahung positiver kindlicher Sexualität droht durch negative Zugänge zur Sexualität wie zum Beispiel durch eine Verengung auf Gefahrenvermeidungsabsichten verloren zu gehen.
– Kaum jemand bestreitet heute mehr die Bedeutung von Sexualität für die Persönlichkeits- und Identitätsentwicklung von Kindern. Wie jedoch Mädchen und Jungen sie lernen sollen und was sie zeigen dürfen, wird gesellschaftlich und kulturell kontrovers diskutiert. So werden bei unverfänglichen körperlichen Kontakten wie dem Kuss auf die Wange oder beim Einseifen und Eincremen des Körpers kaum Einwände erhoben; Selbstberührungen von Kindern an den Geschlechtsteilen und Masturbation dagegen werden kritisch betrachtet.
– Auch in psychosexueller Hinsicht scheint Kindheit verloren zu gehen, denn die Zugangsmöglichkeiten zu allen gesellschaftlichen Facetten von Sexualität entgehen den Mädchen und Jungen im Vorschulalter nicht. So werden Gedanken laut, ob Kinder davor geschützt werden müssen.

Am Anfang steht der Körper
Es ist unbestritten, dass der Körper bei der Ich-Entwicklung von Kindern eine bedeutende Rolle spielt. Dabei kommt der Entwicklung der Sinne und Motorik eine wichtige Aufgabe zu, da diese für den Aufbau von Bewusstsein sowie von Handlungsfähigkeiten und -fertigkeiten entscheidend ist. Die zentrale Bedeutung des Körpers beginnt bereits vor der Geburt. Ängste der Mutter, aber auch ihre Freude am eigenen Körper und an der eigenen Sexualität beeinflussen auf direktem Weg die Angstbereitschaft bzw. die sexuelle Vitalität des Kindes. Der erste Bezugspunkt des Säuglings ist der Körper mit seinen Bewegungen, Handlungen und Gefühlen. So verweist der Satz Sigmund Freuds „Das Ich ist vor allem ein Körperliches“ nicht nur auf die Bedeutung des Körpers für die Identitätsentwicklung, sondern gibt einen Hinweis auf die Entwicklung des Ich-Begriffs aus dem Körper.

Die ersten frühkindlichen Erfahrungen zeigen sich in körperlichen Vorgängen und in der Entfaltung des Körpererlebens bei Säuglingen und Kleinkindern. So besteht die Welt des Säuglings zunächst aus Haut-Berührungen. Die ersten Interaktionen zwischen Mutter und Kind erfolgen über die Haut. Die Empfindungen und Berührungen eröffnen dem Säugling eine vielfältige Welt, die sein Wahrnehmungs- und Bewusstseinssystem anregt, auch wenn sich dies zunächst noch recht undifferenziert darstellt. Der Dialog zwischen den Bezugspersonen und dem Kind vollzieht sich hauptsächlich über taktile und mimische Interaktionen. Dieser frühe Austausch von Berührungen hat weit reichende Auswirkungen auf das spätere Leben. Er vermittelt und stärkt das Gefühl von Vertrauen sowie Gefühle von Gemeinschaft und Sicherheit. Durch Berührungen und Hautkontakt können sich Kinder entfalten und wachsen. Streicheln hinterlässt ein Wohlgefühl am eigenen Körper. Jedoch ist der Umgang mit Berührungen von kulturellen, religiösen, sozialen und familiären Vorstellungen abhängig, die sich in unserem Verhalten eingenistet haben, ohne dass wir uns dessen bewusst sind. Diese Vorstellungen geben vor, welche Formen von Berührungen anerkannt und gefördert beziehungsweise tabuisiert werden. Daniel Stern hat in seinen Säuglingsforschungen eindrücklich beschrieben, wie körperliche Phänomene im frühen Kommunikationsverhalten eine entscheidende Rolle spielen. Diese Erlebnisse gehen nicht verloren, sondern nisten sich sozusagen im Körpergedächtnis ein, existieren nebeneinander und manchmal zeitgleich das ganze Leben.

Zur Definition von Sexualität
Sexualität ist nicht nur Geschlechtsverkehr, hat nicht nur mit Genitalität zu tun, sondern umfasst körperliche, psychosoziale und emotionale Aspekte. Sexualität zeigt sich in allen Lebensphasen und ist eine Lebensenergie, die sich im Körper entwickelt und ein Leben lang – von der Kindheit bis ins hohe Alter – wirksam ist. Die Ausdrucksmöglichkeiten von Sexualität sind vielfältig: Zärtlichkeit, Sinnlichkeit, Lust, Geborgenheit, Leidenschaft, Erotik, aber auch das Bedürfnis nach Fürsorge und Liebe. Dieser breiten Sicht auf Sexualität steht die einseitig genitalfixierte Sichtweise mancher Medien und der „Sexualindustrie“ gegenüber. Kindern bleibt dieser Alltagsgebrauch von „Sex“ nicht verborgen, der sich häufig in Äußerungen oder Rollenspielen zum Geschlechtsverkehr zeigt. Auch Ausdrucksformen von Sexualität, die dem „anderen Gesicht“ der Sexualität zuzuordnen sind, wie sexualisierte Gewalt in Form von sexuellen Übergriffen, Vergewaltigungen und sexuellem Missbrauch, gehören dazu.

Sexualität hat eine große Bedeutung für das seelische Gleichgewicht – nicht nur bei Erwachsenen sondern auch schon bei Kindern. Sie kann das Selbstwertgefühl stärken, Lebensfreude geben, Freude am Körper vermitteln, aber auch Scham und Selbstzweifel nähren sowie Sprache der Trostlosigkeit oder Gewalt sein. Sexualität kann auch bereits für Kinder eine Art Überlebensausrüstung sein. Zärtlichkeit, Geborgenheit, Liebe und Lust können über unangenehme Erfahrungen und Gefühle hinweghelfen.

Sexualität umfasst verschiedene Sinnaspekte – den Identitäts-, Beziehungs-, Lust- und Fruchtbarkeitsaspekt –, die für ein selbstbestimmtes und (sexualitäts-)bejahendes Leben von Mädchen und Jungen von Bedeutung sind. Sowohl die Motivationsquellen als auch die Ausdrucksmöglichkeiten und Sinnaspekte von Sexualität werden im Laufe der biographischen Entwicklung eines Menschen und in aktuellen Lebenssituationen unterschiedlich entwickelt und akzentuiert. Neben den kulturellen, sozialen und individuellen Lebenslagen beeinflussen vor allem Wert- und Normsetzungen sowie geschlechtsspezifische Erfahrungen das Erleben von Sexualität (vgl. Sielert 2005, S. 37ff).

Die Sexualität von Kindern im Vorschulalter
Schon früh machen Kinder mit Sexualität Erfahrungen, die bis ins Erwachsenenalter relevant bleiben. Gunter Schmidt spricht von der Bedürfnis-, Körper-, Beziehungs- und Geschlechtsgeschichte als Teilsegmenten eines frühkindlich-subjektiven Erfahrungsfeldes in den verschiedenen Altersstufen. Diese „beeinflussen die sexuelle Entwicklung und die Persönlichkeitsentwicklung eines Menschen, sie prägen seine Sexualität und seinen Charakter“ (Schmidt 2004, S. 319). Kindliche Sexualität ist von Erwachsenensexualität zu unterscheiden. Kinder leben ihre Sexualität egozentrisch, d. h. wesentlich auf sich selbst bezogen. So wollen sie zum Beispiel ausprobieren, wie sich Zungenküsse anfühlen oder durch Doktorspiele sich selbst und andere körperlich kennen lernen. Spontaneität, Neugier, Entdeckungslust und die Suche nach immer neuem Lustgewinn stehen im Vordergrund. Die Entfaltung dieses Forscherdrangs und dieser Entdeckungslust ist nicht zielgerichtet und beziehungsorientiert, sondern bezieht sich auf den eigenen Körper. Dabei geht es um ein Spürbewusstsein des Sich-Wohlfühlens auf körperlicher, emotionaler und sozialer Ebene. Dazu gehört auch die genitale Stimulation.

Kinder erleben ihre Sexualität ganzheitlich und ganzkörperlich. Die sexuellen Verhaltensweisen von Kindern und Erwachsenen in ihrer Erscheinungsform und vor allem in ihrer subjektiven Bedeutung sind nicht gleichzusetzen. Kinder haben noch nicht die Bedeutungszusammenhänge und sexuellen Skripte aus der sie umgebenden normativen Kultur verinnerlicht wie Erwachsene. Die kindliche Selbstbefriedigung ist nicht in dem Maße mit sexuellen Erfahrungen und Mustern verknüpft, wie sie bei Erwachsenen in den Phantasien auftauchen. Die vielfältigen sexuellen Ausdrucksformen bei Kindern entwickeln sich Schritt für Schritt. Zunächst stehen auf sich selbst bezogene Aktivitäten wie z. B. Selbstberührungen und Selbstbefriedigung im Vordergrund. Diese erweitern sich später auf andere Kinder z. B. durch Doktor- und andere Rollenspiele. Der Aktivitätsradius bezieht sich auch auf Erwachsene mit einem durchaus körperlich ausgedrücktem Intimitäts- und Anerkennungsbedürfnis, das sich in dem Wunsch nach Kuscheln und Schmusen ausdrückt.

Den vielfältigen Entdeckungen im Umgang mit Körper und Sexualität stehen auch Erfahrungsfrust und Begrenzungen gegenüber. Dies ist wichtig, denn die Entwicklung des Bewusstseins für die eigene Intimität und ihre Grenzen nach außen müssen gelernt werden. Nicht in jedem Fall sind sexuelle Äußerungen und Aktivitäten von Kindern angebracht. Auch das muss gelernt werden. Eltern, Erzieherinnen und Erzieher sind bedeutsame Vorbilder, die in der Auseinandersetzung mit den Kindern über unpassende oder störende Situationen wichtige Impulse setzen können. Das sollte mit einer wohlwollenden und Sexualität bejahenden Haltung und nicht durch abwertende Bemerkungen oder Bestrafungen geschehen. Das könnte sonst zu Belastungen und aufoktroyierten Schamgefühlen führen. Selbstgefühlte Scham gegenüber Nacktheit oder körperlicher Nähe sind eine positive Reaktionsmöglichkeit von Kindern, um die eigenen Intimgrenzen zu spüren und zu verteidigen. Jedoch entwickelt sich Körperscham bei den meisten Kindern erst ab fünf Jahren (vgl. Schuhrke, 1999 S. 103 ff). Ingesamt sind die lust- bzw. schambetonten Verhaltensweisen der Kinder entscheidend geprägt durch die jeweilige Kultur und durch die familiären Sozialisationsbedingungen.

Sexuelle Entwicklung
Kindliche Sexualität zeigt sich in vielfältigen Facetten. Sigmund Freud hat sich intensiv mit Sexualität aus psychoanalytischer Sicht beschäftigt und deren Entwicklung in einem aufeinander folgenden Phasenmodell beschrieben, das bis heute in seinen Grundzügen akzeptiert ist. Erik Erikson stellte die Entwicklung von Identität in den Mittelpunkt und beschrieb dabei acht psychosoziale Phasen bzw. Krisen, in denen Kinder und Jugendliche im Laufe ihres Lebens mit der Frage der Identität auf jeweils spezifische Weise konfrontiert werden und diese meistern müssen.

Freud: Orale Phase / Erikson: Vertrauen versus Misstrauen
(1. Lebensjahr):
Der Mund kann als Lustorgan des Säuglings im ersten Lebensjahr angesehen werden. Mit dem Mund entdeckt das Baby die „Welt“. Säuglinge erleben das Saugen an der Mutterbrust oder an der Flasche als lustvoll. In Verbindung mit körperlicher Nähe und Hautkontakt zur Mutter erleben sie eine intensive Nähe. Babys genießen das Nacktsein und Baden. So kommt es durchaus vor, dass sie beim Wickeln ihre Geschlechtsorgane berühren und damit spielen .Die positiven oder negativen Reaktionen der Mutter oder des Vaters auf ihre Berührungen und Körpererfahrungen bekommen Kinder unbewusst mit. Genauso registrieren Säuglinge, wie ihre Eltern agieren, wenn sie die Geschlechtsorgane beim Wickeln säubern. Unbewusst nehmen Kinder die Einstellungen wahr und diese beeinflussen auch ihre Sexualität.

Die Suche nach Haut- und Körperkontakt mit Mutter, Vater oder anderen wichtigen Bezugspersonen ist ein wesentlicher Faktor der affektiven, kognitiven und sozialen Entwicklung. Über diese „Hautlust“ nimmt das Kind Liebe, Angenommensein, Zärtlichkeit, Geborgenheit und Liebkosungen auf. In einer solchen Atmosphäre kann das Kind ein „Urvertrauen“ zu sich selbst und seiner Umwelt entwickeln. Jedoch werden auch Angst, Ablehnung und Ekel über die Haut aufgenommen und haben Auswirkungen auf die weitere psychische Entwicklung des Kindes.

Freud: Anale Phase / Erikson: Autonomie versus Scham und Zweifel
(2. Lebensjahr):
In diesem Alter interessieren sich die Kinder bewusster für ihre Genitalien und Ausscheidungen. Die Lustquelle ist jetzt weniger der Mund, sondern die Analzone. Sie entwickeln ein Bewusstsein für ihre Körperausscheidungen. Neugierig untersuchen sie After und Scheide. Sie entdecken, dass eine prall gefüllte Blase angenehme Gefühle auslösen kann. Manche erleben dieses Anhalten als lustvoll und warten so mit ihrem Toilettengang häufig bis zum letzen Moment. Auch lernen Mädchen und Jungen in dieser Phase immer besser den Umgang mit ihrem Schließmuskel. Sie bestimmen und entscheiden selbst, wann sie auf die Toilette gehen. Dabei erleben sie, dass Eltern das lustvolle „Loslassen“ und „Festhalten“ mit großer Aufmerksamkeit verfolgen. Die gewonnene Autonomie kann bei der Sauberkeitserziehung zu einem „Machtspiel“ zwischen Kind und Eltern führen. Den Wunsch der Eltern, auf die Toilette zu gehen, können Kinder verweigern. In dieser Phase übt das Kind, eigene Entscheidungen zu treffen. Deshalb ist es gut, wenn Eltern bei der Sauberkeitserziehung nicht so viel Druck ausüben. Viel wichtiger ist die Selbstwirksamkeit des Kindes. Damit ist das Gefühl gemeint, diesen Schritt alleine geschafft zu haben. Das unterstützt die Entwicklung von Identität und Selbstbewusstsein.

Freud: phallisch-genitale Phase / Erikson: Initiative versus Schuldgefühle
(3.-6. Lebensjahr):
Im Alter zwischen drei und sechs Jahren zeigen Kinder ein großes Interesse für die weiteren Facetten des Sexuellen. Diese Phase kann auch als „kleine Pubertät“ bezeichnet werden, da viele wichtige körperliche und kognitive Entwicklungsschritte in dieser Zeit passieren. Die Kinder gehen auf Entdeckungsreise und erleben, dass Berührungen an der Scheide oder am Penis lustvoll sein können. So nehmen Erwachsene häufig wahr, dass Mädchen und Jungen sich intensiv diesen Entdeckungen widmen. Auch beobachten Kinder neugierig die unterschiedlichen Geschlechtsorgane ihrer Eltern, Geschwister und anderer Kinder. Durch diesen Vergleich wird den Mädchen und Jungen ihre jeweilige Geschlechtszugehörigkeit bewusst. Ihr Blick richtet sich auf Frauen und Männer, dabei beobachten sie sehr genau, wie sich diese bewegen, mit was sie sich beschäftigen, wie sie sprechen und gehen. So stellen Mädchen und Jungen Unterschiede fest und setzen die für sie wichtigen Aspekte in Rollenspielen wie z. B. Vater-Mutter-Kind-Spielen oder Doktorspielen um.

Während dieser Zeit wendet sich das Mädchen verstärkt dem Vater zu. Es möchte von ihm bewundert und akzeptiert werden. Dabei konkurriert es mit der Mutter, möchte an ihre Stelle treten, ihre Rolle übernehmen und den Vater heiraten. Je nachdem wie der Vater auf diesen Wunsch reagiert, kann dies für die Tochter krisenhaft erlebt werden. Sehr schnell bekommt sie mit, dass sie den Vater nicht heiraten kann. Ihr werden die großen körperlichen Unterschiede bewusst, spürt, dass sie sich weder mit der Mutter noch mit dem Vater identifizieren kann und beginnt ihren eigenen Körper anzunehmen, so wie er ist. Je mehr der Vater die Tochter mit ihrer momentanen Art annimmt, stärkt er ihre Weiblichkeit und ihr Selbstwertgefühl. Ähnliches erlebt der Junge. Er wendet sich der Mutter zu und konkurriert mit dem Vater. Er möchte die Stelle des Vaters einnehmen und die Mutter heiraten. Zu diesem Zeitpunkt hat der Penis für den Jungen eine große Bedeutung. Er bekommt mit, dass sein Penis nicht so groß ist wie der des Vaters. Auch hier ist das Verhalten des Vaters wichtig. Nimmt der Vater seinen Sohn mit seinem Bedürfnis an, wird er in seiner Männlichkeit und seinem Selbstwertgefühl gestärkt. Der Junge weiß, dass sein kleiner Penis einmal so groß werden wird wie der seines Vaters.

Da in dieser Phase die Aktivitäten und Initiativen von den Mädchen und Jungen ausgehen, ist es sehr wichtig, wie Väter und Mütter auf die Bedürfnisse ihrer Töchter und Söhne reagieren. So kann eine Initiative das Selbstwertgefühl stärken oder aber in Schuldgefühle umschlagen.

Zum Schluss
Die Schaffung von Erfahrungsräumen ermöglicht Kindern, Erfahrungen von Begrenzungen und Raumaneignung umzusetzen. Die Unterstützung vielfältiger Körpererfahrungen, die Entfaltung kindlicher Sexualität, das Experimentieren-Dürfen mit dem eigenen Körper, das Wissen um die eigene Körperlichkeit, sprachfähig zu sein für die unterschiedlichsten Themen und die Wahrnehmung vielfältiger Gefühle und unterschiedlicher Ausdrucksformen unter Einbeziehung aller Sinne wirkt sich positiv auf das Körperbild aus, stärkt das Selbstwertgefühl und trägt zur Identitätsentwicklung jedes einzelnen Mädchens und Jungens bei. Eine positive und Sexualität bejahende Haltung durch Erwachsene trägt zum Gelingen besonders bei. Nicht zuletzt wirkt dies präventiv gegen sexuelle Grenzverletzungen und sexuellen Missbrauch, denn starke und wissende Kinder können sich eher davor schützen.

Die Literaturangaben sind über die Geschäftsstelle erhältlich.

Christa Wanzeck-Sielert ist Diplompädagogin und Supervisorin (DGSv). Sie ist an der Universität Flensburg im Bereich Gesundheitspsychologie und Gesundheitsbildung tätig.