Zeitschrift frühe Kindheit – Archiv

„Starke Eltern – starke Kinder®“

Der Elternkurs des Deutschen Kinderschutzbundes

von Paula Honkanen-Schoberth

Der Elternkurs „Starke Eltern – Starke Kinder ®“ wurde im Deutschen Kinderschutzbund in Aachen entwickelt und konzipiert. Basierend auf Erfahrungen aus dem Finnischen Kinderschutzbund wird er seit vielen Jahren mit großem Erfolg bundesweit angeboten.

Ziel des Elternkurses „Starke Eltern – Starke Kinder®“, der inzwischen unter verschiedenen Trägern Verbreitung findet und durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert wurde, ist es, das Selbstvertrauen der Eltern als Erziehende zu stärken und die Kommunikation in der Familie zu verbessern. Weiterhin soll er Wege aufzeigen, wie Eltern anders als durch Bestimmen, Kontrollieren und Bestrafen den Kindern Grenzen setzen können. Dabei wird den Mitbeteiligungsrechten der Kinder, auch entsprechend der UN-Kinderrechtskonvention, besondere Beachtung geschenkt.

Der Elternkurs ist grundsätzlich an alle Eltern gerichtet, wobei Anpassungen an spezielle Zielgruppen durchaus möglich sind. Er ist konzipiert für zehn bis zwölf Kursabende, jeweils für zwei bis drei Stunden. Teilnehmen können ca. zehn bis16 Eltern pro Kurs.

Die Inhalte des Kurses basieren u.a. auf kommunikationstheoretischen und familientherapeutischen Konzepten. Anhand von Arbeitspapieren und Kleingruppenarbeit werden die theoretischen Positionen vermittelt, diskutiert und ihre praktische Umsetzung erarbeitet.

Die folgenden fünf Fragen bilden den roten Faden und die Stufen für den Aufbau der Kursabende:
(1) Welche Werte und Erziehungsziele haben wir in der Familie?
(2) Wie kann ich das Selbstwertgefühl des Kindes unterstützen?
(3) Wie kann ich meinem Kind bei seinen Schwierigkeiten helfen?
(4) Wie drücke ich meine Bedürfnisse aus?
(5) Wie lösen wir Probleme in der Familie?

Der dem Elternkurs zugrunde liegende Erziehungsstil ist weder autoritär, noch antiautoritär, sondern anleitend. Das heißt u.a., dass Eltern in ihren Erwachsenen-Rollen bleiben und ihre Erziehungsverantwortung wahrnehmen sollen.

Der Kurs ist eine Kombination aus Theorievermittlung und Selbsterfahrung: die theoretischen Inhalte werden als kurze Inputs am Anfang des jeweiligen Kursabends von der Kursleitung in überschaubarer Weise vermittelt. Danach sollen die Teilnehmer(innen) diese Inhalte mit ihren eigenen Erfahrungen in Verbindung setzen, um sie dann bewusst in einem veränderten Verhalten einzuüben. Letzteres soll während der nachfolgenden Woche mit kleinen Wochenaufgaben in normalen Alltagssituationen gefestigt werden.

Es hat sich als hilfreich erwiesen, mit Gegensatzpaaren zu arbeiten, z.B. „Wie bin ich selber erzogen worden – Wie erziehe ich jetzt meine Kinder“, mit kleinen Fragebögen, Übungen und Wochenaufgaben. Soweit wie möglich sollen die Beispiele von den Eltern gewählt werden.

Jeder Kursabend hat darüber hinaus sein Motto, z.B.: „Wenn du es eilig hast, mach einen Umweg“, oder „Achte auf die positiven Seiten deines Kindes“. Diese Mottos helfen, theoretische oder „philosophische“ Überlegungen in einer verdichteten Form über den Kursabend hinaus lebendig in Erinnerung zu behalten.

Der Elternkurs wird u.a. in Eltern-Kind-Gruppen, im Kindergarten- oder Schulbereich sowie in Elternbildungs- und Beratungseinrichtungen eingesetzt – überall dort, wo es um das ABC der Kommunikation, um Werte und Erziehungsziele, Ausdruck von Gefühlen und Bedürfnissen, Grenzsetzungen und Verhandlungskunst, kurz: um die praktikablen Alternativen zur bestrafenden Erziehungsmethode und um mehr Freude, Humor und Sicherheit im Umgang miteinander in der Familie geht.

Die Erfahrungen mit den Elternkursen vielerorts zeigen, dass dort, wo Erzieher(innen) oder Eltern-Kind-Gruppen-Leiter(innen) die Kurse in ihren Einrichtungen durchführen, die Erreichbarkeit der Eltern und die Ergebnisse besonders gut sind.

Die Kurse gibt es inzwischen auch auf Türkisch. Es sind Zusatzmaterialien z.B. für Patchwork- und Stieffamilien, Pubertät oder für Eltern, die nicht so gerne viel lesen oder schreiben wollen, erarbeitet worden. Eine Anpassung der Materialien für die Eltern von null- bis dreijährigen Kindern ist in der Bearbeitung.

Eine Evaluationsstudie In Kölner Fachhochschule (Prof. Siegried Tschöpe-Scheffler, 2002) konnte bestätigen, dass die Kurse zur Entlastung und zu mehr Vertrauen auf die eigenen und auf die Fähigkeiten der Kinder sowie zu mehr Sicherheit und Zufriedenheit im Umgang miteinander in der Familie beitragen.

Von Paula Honkanen-Schoberth ist unter dem Titel „Starke Kinder brauchen starke Eltern“ ein Ratgeber für Eltern erschienen (Ravensburger Eltern Ratgeber-Reihe). Darin finden Eltern Anleitung und Ideen, wie sie selbst die besten Experten für ihre Kinder werden und dabei auch noch auf ihre eigenen Kräfte und Nerven achten können.

www.kinderschutzbund.de

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Paula Honkanen-Schoberth ist Soziologin (M.A.) und psychoanalytisch-systemische Therapeutin. Sie ist Vorstandsmitglied in der Bundesarbeitsgemeinschaft der Kinderschutz-Zentren und Geschäftsführerin im Deutschen Kinderschutzbund (Bundesverband) e.V.