Zeitschrift frühe Kindheit – Archiv

Rezensionen Bücher

Mit Kindern Geschichten erfinden

Geschichten mit Kindern zu erfinden macht Spaß, fördert den Austausch zwischen den Generationen und nicht zuletzt: es ist äußerst kostengünstig.

Märchen und phantasievolle Geschichten entführen uns aus unserem Alltag. Sie nehmen uns mit in eine Welt, in der das Gute mit dem Böse ringt, Abenteuer auszustehen sind und Ängste überwunden werden. Wir hoffen, leiden, bangen, fiebern mit den Helden, bis das Gute siegt und fühlen uns am Ende gestärkt in dem Glauben, dass das scheinbar Unmögliche doch zu schaffen ist.

Die Sozialpädagogin Sylvia Görnert-Stuckmann hat dieses Buch für alle geschrieben, die die stärkende Kraft von Geschichten in ihren Alltag mit Kindern aufnehmen möchten. Sie beschreibt die Wirkung von Sprechen und Sprache auf die Entwicklung von Kindern und auf das Reifen des Gehirns von Anfang an. Anhand zahlreicher Beispielsgeschichten gibt sie Anregungen, gemeinsam mit Kindern Märchen und Geschichten zu entdecken und darüber ins Gespräch zu kommen, die Erzählungen zu verändern, kreativ zu bearbeiten und vor allem ganz neue Geschichten zu erfinden.

Es werden verschiedene Methoden des Einstiegs beschrieben, je nach Alter des Kindes, Erfahrung des Erzählers und den individuellen Bedürfnissen der Beteiligten. Ein Buch, das anregt, das Reich der Phantasie gemeinsam mit Kindern zu entdecken.

Marita Salewski

Sylvia Görnert-Stuckmann
Mit Kindern Geschichten erfinden
(„Kinder sind Kinder“, 22)
Ernst Reinhardt Verlag
München 2003, 123 Seiten, 8 Kinderzeichnungen
9,90 Euro

Gelassenheit im Umgang mit den Medien

Fast schon ein Klassiker, aber immer noch lesenswert. Der Medienforscher und Familien-berater Jan-Uwe Rogge gibt Eltern Ratschläge, wie sie den Fernseh- und Videokonsum ihres Kindes ohne ideologische Scheuklappen begleiten können. Sein wichtigster Rat: mit Kindern über das Fernsehen reden.

„Kinder sind verraten und verkauft. Die haben keine Chance gegen die Wucht des Fernsehens. Das Fernsehen ist nichts für Kinder! Die sind völlig überfordert!“ Hinter der Wut vieler Eltern über das Fernsehverhalten ihrer Kinder verbirgt sich zumeist Hilflosigkeit. Nicht selten spielt auch ein schlechtes Gewissen über die eigenen Fernsehgewohnheiten eine Rolle.

Jan-Uwe Rogge nimmt die Eltern an die Hand: Er führt sie durch die Fernsehwelten der Kinder, behandelt die klassischen Themen Gewalt und Werbung und gibt Antworten auf die Frage, warum Bildschirmhelden eine solche Faszination auf Kinder ausüben. Vor allem konfrontiert er den Leser immer wieder mit den authentischen Aussagen der Kinder. Nicht über Kinder reden, sondern mit ihnen, lautet sein Appell.

Das Buch ist kein Plädoyer für unbegrenzten Fernsehkonsum. Im Gegenteil, der Autor setzt sich intensiv mit den Problemen der so genannten Vielseher auseinander, bei denen das Fernsehen unmittelbare Wirklichkeitserfahrung ersetzt oder als Flucht vor Alltagsstress dient. Zugleich aber wird überzeugend dargestellt: Wenn Eltern sich an wichtigen Prinzipien einer kindgerechten Fernseherziehung orientieren und Fernseh(entzug) nicht als Bestrafung oder Belohnung einsetzen, dann können die visuellen Medien die Wirklichkeitserfahrung der Kinder auf positive Weise ergänzen und erweitern.

Dr. Jörg Maywald

Jan-Uwe Rogge:
Kinder können fernsehen
Vom Umgang mit der Flimmerkiste
Rowohlt Taschenbuch Verlag
Reinbek, 1999, 256 Seiten
9,90 Euro