Zeitschrift frühe Kindheit – Archiv

Die Sendung mit der Maus

Sonntags um 11.30 Uhr ist Maus-Zeit in Deutschland. Jede Woche überraschen die Lach- und Sachgeschichten der „Sendung mit der Maus“ aufs Neue ihre großen und kleinen Fans.

Immer wieder sorgt die Maus für Aha-Erlebnisse: Wie wird eine Zeitung gemacht? Können Schweine schwimmen? Die Sachgeschichten mit Armin Maiwald, Christoph Biemann oder Ralph Caspers machen auch vor der Naturwissenschaft nicht halt. Ob es die Antwort auf die Frage „Wie arbeitet Vitamin C?“ ist oder die mehrteiligen Tierdokumentationen: Die Maus überzeugt. Besonders komplexe Themen werden in aufwändigen Specials wie der AtomMaus und der AutoMaus umgesetzt.

Zu den Lachgeschichten gehören Klassiker des Animationsfilms wie der Maulwurf aus Prag und Lars, der kleine Eisbär, ebenso wie die neuen Freunde der Maus: So sind im Herbst 2002 die Abenteuer von Jasper, dem Pinguin gestartet.

Die Spots mit der Maus, der Ente und dem Elefanten verbinden die Lach- und Sachgeschichten. Seit elf Jahren immer mit von der Partie: das Seemannsgarn von Käpt’n Blaubär und seinem blitzgescheiten Leichtmatrosen Hein Blöd.

Informationen:

WDR Pressestelle, Barbara Feiereis, Tel.: 0221-220-2705, Fax: 0221–220-8474
PLANpunkt PR GmbH, Marc Meissner, Tel.: 0221–912557-10, Fax: 0221-912557-55

 

Inbegriff des guten Kinderprogramms
Was die Sendung mit der Maus so beliebt macht

Jörg Maywald im Gespräch mit Siegmund Grewenig

Maywald: Die Sendung mit der Maus gehört zu den ältesten und erfolgreichsten Kindersendungen in Deutschland. Was macht sie so beliebt und wie äußern sich die Kinder selbst dazu?

Grewenig: Die Maus ist für viele kleine und große Zuschauer wie ein Qualitätssiegel: Sie wissen genau, dass sie am Sonntag um 11.30 Uhr gut unterhalten und informiert werden. Die Eltern sind schon mit der Sendung aufgewachsen. Sie fanden sie gut und empfehlen sie ihren Kindern. Es ist auch eine der wenigen Sendungen, die Kinder und Eltern gemeinsam schauen. Die Kinder selber lieben die Maus und sie schreiben ihr auch, wenn ihnen etwas gefallen hat, nicht nur bei Kritik.

Maywald: Trotz ihres Erfolges hat die Sendung mit der Maus in den vergangenen Jahren heftige Konkurrenz bekommen. Immer mehr Kinder entscheiden sich für die Angebote privater Sender. Wie beurteilen Sie diese Tendenz?

Grewenig: Die Maus ist der Inbegriff des „guten Kinderprogramms“ und daran konnte die Konkurrenz auch nicht rütteln. Im Kleinkinderprogramm arbeiten die Kommerziellen im Übrigen mit gekauften Programmen, denen oft der amerikanische oder englische Look anzusehen ist.

Maywald: Haben sich eigentlich die Wünsche der Kinder in Bezug auf die Themen im Laufe der Zeit geändert? Anders gefragt: Wie unterscheiden sich aus Ihrer Perspektive die Kinder heute von der Kindergeneration vor zwanzig oder dreißig Jahren?

Grewenig: Die Fragen der Kinder wiederholen sich zum Teil: Dinosaurier, Ritter, Piraten, also die klassischen Themen, die im Gefühlsleben der Kinder eine Rolle spielen. Aber natürlich werden auch heute Dinge aus dem Alltag erfragt: Handy, Computer, Fax. Doch es ist weitaus komplexer, Elektronik darzustellen als die Mechanik. Denn Elektronik ist nicht optisch.

Maywald: Gibt es so etwas wie eine Philosophie der Sendung? Mit welchem Bild vom Kind machen Sie sich an die Arbeit?

Grewenig: Es gibt eine Philosophie, die in wenigen Worten lautet: Wir erzählen immer Geschichten, die immer gut ausgehen.

Maywald: Mit einer Länge von dreißig Minuten ist die Sendung mit der Maus vergleichsweise kurz. Der wöchentliche Abstand zwischen zwei Folgen ist relativ lang. Macht das Warten auf die nächste Sendung gerade einen besonderen Charme aus oder würden Sie sich wünschen, zum Beispiel täglich eine Stunde lang auf Sendung sein zu können?

Grewenig: Natürlich ist der Gedanke, eine Sendung wie die Maus täglich zu zeigen, reizvoll. Aber die „Sendung mit der Maus“ hat als Wochenend-Event einen festen Platz im Sonntags-Plan vieler Familien. Sie ist zum Ritual geworden und setzt sonntags um 11.30 Uhr ein Highlight.

Auch wäre die Qualität unserer Beiträge in einer täglichen Sendung nicht zu halten: Die aufwändigen Produktionen – etwa im Bereich Trickfilm – sind nur mit immensem Mehraufwand für ein tägliches Format zu leisten.

Maywald: Wenn Sie ihre Gedanken einmal in die Zukunft richten, wird es dann die Sendung mit der Maus in fünf oder zehn Jahren noch geben? Was wird sich vermutlich verändert haben?

Grewenig: Wenn sich in zehn Jahren eine Sendung des Kinderprogramms im Allgemeinprogramm halten kann, dann ist es die „Sendung mit der Maus“. Die Lach- und Sachgeschichten werden als Bausteine weiter die Struktur einer Sendung prägen.

Natürlich passt man auch einen TV-Klassiker laufend an die technischen und ästhetischen Möglichkeiten an. Die Maus bleibt modern, ohne modisch zu sein.

Siegmund Grewenig ist Leiter des WDR-Kinderfernsehens