Zeitschrift frühe Kindheit – Archiv

Die Bundesarbeitsgemeinschaft Gemeinsam leben – gemeinsam lernen

In der Bundesarbeitsgemeinschaft Gemeinsam leben – gemeinsam lernen haben sich 1985 elf Landesarbeitsgemeinschaften zusammengeschlossen. Inzwischen sind auch die neuen Bundesländer vertreten. Eltern von Kindern mit und ohne Behinderungen verfolgen hier die Idee des gemeinsamen Aufwachsens von Kindern mit und ohne Behinderungen und eines Lebens für Menschen mit Behinderungen in der Mitte der Gesellschaft.

Seit 2000 ist die Bundesarbeitsgemeinschaft als Verein eingetragen und betreibt seit 2003 das Projektbüro in Frankfurt als professionelles Rückgrat der überwiegend ehrenamtlichen Arbeit. Gründungsidee der Elternselbsthilfebewegung war der gemeinsame Schulbesuch von Kindern mit und ohne Behinderungen. „Gemeinsam leben“ war maßgeblich daran beteiligt, dass in den 1970er und 1980er Jahren in allen Bundesländern erste Schulversuche gestartet wurden und seit den 1990er Jahren Gemeinsamer Unterricht Eingang in alle Schulgesetze gefunden hat, auch wenn der Zugang noch sehr restriktiv gehandhabt wird.

Bundesweit besuchen nur 16 Prozent aller Kinder mit Förderbedarf die allgemeine Schule, 84 Prozent werden auf Förderschulen verwiesen, nicht selten gegen ihren und ihrer Eltern Willen. Zum Vergleich: im europäischen Durchschnitt besuchen 80 Prozent aller Kinder mit Förderbedarf die allgemeine Schule und werden dort unterstützt. Mit der Ratifizierung der UN-Behindertenrechtskonvention steht das Thema wieder auf der politischen und fachlichen Tagesordnung ganz oben.

Da die Söhne und Töchter der Gründereltern inzwischen erwachsen sind, rückten mit der Zeit weitere Themen in unser Blickfeld. Seit vielen Jahren fordern wir eine ambulante Alternative zur Werkstatt für behinderte Menschen (WfbM) und beteiligen uns an der Suche nach Konzepten und angemessenen Strukturen zur Unterstützung. Zurzeit führen wir ein bundesweites Projekt zur Umsetzung des Persönlichen Budgets im Übergang Schule – Beruf durch, um jungen Menschen mit Behinderungen den Weg in den allgemeinen Arbeitsmarkt zu ebnen. Wir unterstützen und vernetzen Menschen mit Behinderungen und ihre Familien, die alternative, von den jungen Leuten selbst gewählte Wohnformen anstreben und dazu ambulante Versorgung brauchen. Schließlich denken wir darüber nach, wie auch bei Menschen mit gravierenden Behinderungen sicher gestellt werden kann, dass ihre Würde gewahrt, ihre Rechte beachtet und ihre eigenen Lebensentwürfe umgesetzt werden, wenn ihre Eltern sie darin nicht mehr unterstützen können oder wollen. Die gesetzliche Betreuung erscheint uns auch vor dem Hintergrund der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen nicht mehr ausreichend.

Seit einigen Jahren haben wir uns der National Coalition für die Umsetzung der UN-Kinderrechtskonvention angeschlossen. In den Jahren 2007/08 haben wir uns in einem Projekt mit der Umsetzung der Kinderrechte für Kinder mit Behinderungen beschäftigt und festgestellt, dass der Kinderrechtszugang in diesem Bereich noch sehr unterentwickelt ist. Zusammen mit der Behindertenrechtskonvention bildet die Kinderrechtskonvention die Grundlage unserer Arbeit. Im 25. Jahr unseres Bestehens verstehen wir uns inzwischen als Menschenrechtsorganisation, die sowohl in der Arbeit vor Ort als auch auf der politischen Ebene die Rechte von Kindern und Jugendlichen mit Behinderungen und ihren Familien vertritt.

Bundesarbeitsgemeinschaft Gemeinsam leben – gemeinsam lernen e.V.
Falkstr. 106, 60487 Frankfurt/Main
www.gemeinsamleben-gemeinsamlernen.de