Zeitschrift frühe Kindheit – Archiv

Gemeinsam von Anfang an

Die Bundesarbeitsgemeinschaft Gemeinsam leben – gemeinsam lernen

Wenn ein Kind mit einer Behinderung geboren wird, verändert sich zunächst die Aussicht auf die gemeinsame Zukunft der Familie: das Un-erwartete ist eingetreten. Alle Beteiligten müssen herausfinden, was das bedeutet, was unter diesen Umständen „normal“ ist – ein Prozess, der immer wieder neu stattfinden muss, wenn die Kinder älter werden, wenn sich Bedürfnisse, Möglichkeiten, Weltsichten verändern. So wird die Tatsache der Behinderung in die Geschichte der Familie integriert.

In der gleichen Weise wünschen sich Familien mit einem Kind mit Behinderung die Auseinandersetzung mit der Umwelt, der Gesellschaft. Das Eintreten des Unerwarteten möge nicht Befremden, Angst und Abwehr auslösen, sondern einen konstruktiven Aushandlungsprozess. Was wird hier gebraucht? Was ist unsere gemeinsame „Normalität“? Dazu ist es nötig, dass sich die Beteiligten im Alltag begegnen.

Mitte der 1980er Jahre schlossen sich Eltern von Kindern mit und ohne Behinderungen in vielen örtlichen Initiativen zusammen, weil sie wollten, dass ihre Söhne und Töchter gemeinsam in den Kindergarten und die Schule um die Ecke gehen konnten. Schnell stieß der Wunsch der Eltern auf so erbitterten politischen und administrativen Widerstand, dass die Kräfte gebündelt werden mussten. So entstanden bis 1986 Landesarbeitsgemeinschaften „Gemeinsam leben – gemeinsam“ lernen in allen elf damaligen Bundesländern und – als deren Zusammenschluss auf Bundesebene – die Bundesarbeitsgemeinschaft. Inzwischen gehören dieser auch Landesarbeitsgemeinschaften in Sachsen, Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern an. Da die Söhne und Töchter der ersten Generation inzwischen erwachsen sind, ist auch Wohnen außerhalb von Heimen und Arbeiten außerhalb von Werkstätten zum Thema geworden.

Unsere Vision ist, dass Kinder mit Behinderungen in den Kindergarten gehen, in den alle anderen Kinder ihrer Straße auch gehen. Anschließend werden alle zusammen in dieselbe Grundschule eingeschult. Ihnen stehen Vereine und kommunale Jugendarbeit gleichermaßen offen. Und überall, wo sie hinkommen, werden die benötigten Hilfen und das Know-how bereitgestellt. Integration, oder, wie das Gesetz sagt, Teilhabe ist eine Querschnittaufgabe. Überall da, wo sich ein Kinder- und Jugendlichenleben abspielt, bei allen Entscheidungen, die für diese Altersgruppe getroffen werden, ist die Teilhabe von Kindern und Jugendlichen mit Behinderungen mit zu denken.

Bei uns finden Eltern Ansprechpartner und Unterstützung auf diesem Weg. Wir arbeiten vor Ort, aber auch auf Landes- und Bundesebene, wenn es um politische Fragen geht. Unsere Arbeit wird überwiegend ehrenamtlich geleistet und von einer Beratungs-, Informations- und Koordinationsstelle in Frankfurt/Main unterstützt.

Bundesarbeitsgemeinschaft Gemeinsam leben – gemeinsam lernen
Falkstr. 106 HH, 60487 Frankfurt/Main
Tel.: 069-77015758
E-Mail:BIK@gemeinsamleben-gemeinsamlernen.de
www.gemeinsamleben-gemeinsamlernen.de