Zeitschrift frühe Kindheit – Archiv

MUT! – Mutter-Unterstützungs-Training

Ein Elternkurs für opiatabhängige Mütter im Substitutionsprogramm

von Romana Römer

Seit Mitte der 1980er Jahre in Deutschland die Substitutionsbehandlung eingeführt wurde, gewann das Thema Elternschaft bei Opiatabhängigen an Bedeutung. Erstens erhöhte sich die Geburtenziffer innerhalb dieser Gruppe. Schätzungen zufolge haben 30%-50% der Personen im Substitutionsprogramm eigene Kinder. Zweitens leben heute mehr Drogenabhängige mit ihren Kindern zusammen. Die Fremdplatzierungsquote reduzierte sich in Folge der Etablierung von Substitution als Behandlungsform von ursprünglich ca. 50% auf unter 30%. Dies verweist auf eine verbesserte Beurteilung der Erziehungsfähigkeit substituierter Eltern durch die Jugendhilfe.

Auf der Suche nach dem ‚normalen Leben’ sehen sich substituierte Eltern mit gesellschaftlichen Anforderungen und immer wieder mit der eigenen Geschichte konfrontiert. Elternschaft ist oft Hoffnung und Überforderung zugleich. Traumatische Kindheitserfahrungen, häufige Ein-Elternschaft, fehlende Erziehungs-Vorbilder, mangelndes Selbstwertgefühl, Belastung durch die Suchterkrankung oder auch andere psychische Krankheiten sowie mangelnde soziale Unterstützung sind nur einige der Probleme, die eine erfüllte Elternschaft erschweren können.

Das von KOALA e.V. mit initiierte und begleitete und durch das Land Nordrhein-Westfalen geförderte Projekt „Erziehungskompetenz drogenabhängiger, substituierter Mütter“ hat zum Ziel, Frauen in dieser Lebenssituation zu unterstützen (aus forschungstechnischen Gründen wurde die Zielgruppe vorerst auf Frauen mit Kindern im Vorschulalter begrenzt). Die Unterstützung soll möglichst genau auf den Suchtkontext und die Auswirkungen auf Mutter und Kind zugeschnitten und in verschiedenen Hilfeeinrichtungen durchführbar sein. Daher wird im Projektzeitraum (Oktober 2002 bis September 2004) ein spezifisches Elterntraining für substituierte Mütter entwickelt, erprobt und evaluiert.

Der Kurs setzt sich aus acht Gruppensitzungen, zwei Einzelsitzungen und einem Abschlussfest zusammen. Das Kindeswohl hat im gesamten Kursgeschehen erste Priorität. Gleichzeitig wird den Teilnehmerinnen, wo immer möglich, Wertschätzung entgegengebracht. Anschauliches Material und kreative Methoden helfen, die Inhalte lebendig und realitätsnah zu vermitteln. Im Kursverlauf lernen die Teilnehmerinnen, ihr Erziehungsverhalten auf dem Hintergrund der eigenen Persönlichkeit, Gesundheit und Lebensgeschichte besser zu verstehen. Die Mütter setzen sich mit direkten und indirekten Einflüssen ihrer Suchterkrankung auf ihr Kind auseinander und werden ermutigt, eine ggf. bestehende Tabuisierung des Suchtthemas gegenüber dem Kind aufzulösen.

In der Gruppe werden die Chancen und Risiken des Lebens in Substitution besprochen. Die kindliche Entwicklung, auch unter Berücksichtigung von pränatalem Drogeneinfluss, wird aufgegriffen. Die Mütter vertiefen in MUT! ihr Verständnis kindlicher Bedürfnisse. Der Kurs beinhaltet Informationen über das Spektrum elterlicher Aufgaben im Bezug auf das seelische und körperliche Wohl des Kindes. Konkrete Erziehungstipps, insbesondere zu den Themen Grenzsetzung und Konfliktlösung, werden durch Übungen zu diesem Bereich ergänzt. All dies hat – wie der Kursname sagt – viel mit Mut zu tun.

Mut, umdie Realität wahrzunehmen, Neues auszuprobieren, sich zu öffnen und nicht zuletzt: Das eigene Kind zu ermutigen!

Weitere Informationen:
KFH NW, Forschungsschwerpunkt Sucht
Dipl.-Päd. Romana Römer
Wörthstrasse 10, 50668 Köln
Tel.: 0221-7757-144, E-Mail: r.roemer@kfhnw.de

Projektleitung: Prof. Dr. Michael Klein