Zeitschrift frühe Kindheit – Archiv

Elternbefragung zur idealen Beratungsstelle

von Julia Schneewind

Kinder sind Gäste, die nach dem Weg fragen – Eltern brauchen dafür manchmal einen Navigator. Eine Befragung von über 100 Eltern aus Berlin und Brandenburg mit Kindern im Alter zwischen 0 und 3 Jahren zum Thema Elternberatung und -bildung hat 2001 ergeben, dass junge Eltern konkrete Vorstellungen haben, wie ein solcher Navigator aussehen könnte.

Die Eltern wurden zu folgenden Themen befragt:

  • Welche Themen sind für Eltern wichtig (Curriculum für Elternbildung)?
  • Welche Quellen nutzen Eltern zur Information?
  • Wie steht es mit der Bereitschaft, Geld für Information und Beratung auszugeben?
  • Wie sieht die „Ideale Beratungsstelle“ für Eltern aus?

Sehr wichtig fanden die Eltern die Themen Ernährung, Medizin und Krankheiten, Sprachentwicklung, Schlafen, Grenzen, Qualität von Kindertageseinrichtungen, motorische und emotionale Entwicklung, Intelligenzentwicklung. Als wichtige Themen wurden Schreien, Stillen, Körperpflege, Trotzphase, Spielen, Tagesrhythmus, Höflichkeitserziehung, Geschwister, Babysitter, musikalische und künstlerische Erziehung, Sauberkeitserziehung und rechtliche Themen genannt.

Eltern informieren sich über Themen, die das Kind betreffen, am häufigsten bei ihrem Partner und ihren eigenen Eltern, bei Freunden mit Kindern und beim Kinderarzt, sowie in Büchern und den Elternbriefen des Arbeitskreises Neue Erziehung (ANE) e.V..

Die befragten Eltern haben anspruchsvolle Vorstellungen bezüglich einer Elternberatung: Die Beratungsstelle sollten von 8-21 Uhr geöffnet oder am besten 24 Stunden erreichbar sein, Notdienst und Öffnung am Wochenende anbieten. Öffnungszeiten sollen an den Bedürfnissen berufstätiger Eltern orientiert sein und berücksichtigen, dass Eltern zeitlich nicht flexibel sind.

Ein Drittel der Eltern ist der Meinung, der Staat müsse für die Kosten der Beratung aufkommen, die verbleibenden zwei Drittel würden zwischen 2,20 und 50,- Euro für Beratungsgespräche ausgeben. Ein sehr findiger Vater hatte gar die Idee, einen Beratungsservice einzurichten, den Eltern über die Telefonrechnung bezahlen.

Als Berater(innen) rangieren Diplompsychologen und -pädagogen an der Spitze. Ein wichtiges Kriterium war darüber hinaus kompetent und verständnisvoll „erfahren“ bzw. „selbst Mutter oder Vater“ zu sein. Ideal wäre ein interdisziplinäres und multilinguales Team.

Gewünscht wurden mehrere Hilfen unter einem Dach, gebündelte Informationen. Die Beratungsstelle sollte Kinderbetreuung beinhalten und könnte an eine KiTa angeschlossen sein, ein Elterncafé sowie einen Secondhand-Laden beherbergen. Weitere Wünsche: mit dem Kinderwagen gut erreichbar, Wickel- und Stillraum, eine ruhige Sitzecke für Eltern und eine Spielecke für Kinder. Eltern wünschen sich „wenig Bürokram“, kurze Wartezeiten, eine telefonische Beratung für Krisenfälle, Hausbesuche. Sie können sich auch Beratung in Alltagssituationen (z.B. auf dem Spielplatz), von Eltern für Eltern oder eine Hotline zu bestimmten Themenkomplexen vorstellen. Darüber hinaus wurde die Einbindung älterer Menschen als Quasi-Großeltern, sowie eine Infothek mit Büchern, Infomaterial, einem Veranstaltungskalender und Empfehlungslisten hilfreicher Literatur von den befragten Eltern angeregt. Diskretion und Anonymität sind Eltern ebenfalls wichtig. Sie möchten als kompetente Partner ernst und wahrgenommen werden, um Mut zu bekommen, ihre neue Situationen zu meistern.

Die „Ideale Beratungsstelle“ wäre für den Großteil der befragten Eltern ein familienfreundliches, interdisziplinäres und multikulturelles Familienzentrum, mit prä- und postnatalen Angeboten.

Die ausführliche Befragung kann unter schneewind@julia.de angefordert werden.

Julia Schneewind ist Diplom-Pädagogin und Mitarbeiterin der Deutschen Liga für das Kind