Zeitschrift frühe Kindheit – Archiv

Gesunde Ernährung, Zahngesundheit und Umwelterziehung im Kindergarten

Ein Projekt der Kindertagesstätte „Zwergenschloss“ in Weimar

von Kerstin Mayer

Die Kindertagesstätte (Kita) „Zwergenschloss“ in Weimar wird von 41 Kindern im Alter zwischen zwei Jahren und Schuleintritt besucht. Die Kinder werden in drei altersgemischten Gruppen betreut. Seit 1994 stellen wir uns einem neuzeitlichen Problem: dem wachsenden Konsum an süßen Nahrungsmitteln bei unseren Kindern. Damit einher gehend waren es der steigende Müllberg und die erhöhte Belastung der Umwelt, die uns nahe gingen und die den Anstoß gaben, ein Projekt „gesunde Ernährung“ zu beginnen. Dass die Zahnprophylaxe eine weitere Aufgabe darstellte, war uns ebenfalls bewusst.

Wir begannen, Mehrwegprodukte einzukaufen und den Müll in selbst gestalteten Eimern zu trennen. Wir machen Beobachtungsgänge mit den Kindern, bei denen sie Tiere und Pflanzen genauer kennenlernen und deren Bedrohung durch Unrat, Gifte u.a. selbst erleben können. Besonders interessant ist die Wissenserweiterung über Käfer und Pflanzen, welche die Kinder noch nicht kennen. Hier bietet das nahe gelegene „Webicht“ (Waldstück) reichlich Anschauungsmaterial. An der Ilm, dem Fluss vor dem „Webicht“, kann oft der Gestank von Abwässern und Unrat im Wasser beobachtet und erfahren werden. Die Fütterung von Schwänen und Enten erweitert zugleich die Liebe zu Tieren.

Die Mahlzeiten in der Kita werden mit den Kindern in kleinen Kinderkonferenzen überdacht. Dort wird besprochen, welche Nahrungsmittel sehr viel Zucker enthalten und zu Erkrankungen der Zähne führen können, wenn diese nicht nach dem Essen geputzt werden. Den Kindern soll bewusst werden, wann sie was essen und warum sie es essen. Sie sollen lernen ihre Wünsche zu äußern. Verbote wie etwa „keine Süßigkeiten“ gibt es allerdings nicht. Die Kinder erleben die Vielfalt der Nahrungsmittel und erfahren ihren Genuss. Unter Anleitung der Erzieherinnen legen sie selbst Hand an bei Arbeiten wie Milch zugießen, Gemüse waschen, putzen und schneiden, Salatsaucen rühren, Obst waschen, schälen und schneiden, bis hin zur Mithilfe beim Kochen und Backen. Zu diesem Zweck wurden auf beiden Etagen der Kita Kinderküchen angeschafft, bestehend aus Herd mit Backröhre und Spüle sowie Abstellmobiliar.

Wöchentlich findet eine Besprechung zur Gestaltung eines „gesunden Tages“ in jeder Gruppe statt. Hier wird mit den Kindern beschlossen, welche Nahrungsmittel zum Frühstück und Vesper erwünscht sind. In Absprache mit den Eltern, die diesen Tag mit je 1 DM finanzieren, wird mit den Kindern in kleinen Gruppen im nahe gelegenen Supermarkt eingekauft. Die für alle Altersstufen mögliche Selbstbeteiligung hat den Appetit und die Menge des Gegessenen gesteigert.

Sogar die meisten Kindergeburtstage werden durch ein gesundes Frühstück bereichert, das von den Eltern besorgt wird. Kuchen ist bei uns fast „out“. Gelegentlich backen die Kinder selbst Kuchen mit Quark und Äpfeln. Jedoch sind Süßigkeiten nicht tabu. Manchmal dürfen die Kinder nach Herzenslust einen ganzen bunten Teller nach dem Mittagessen verdrücken, denn danach wird Zähne geputzt um Karies zu vermeiden. Auch Zucker braucht der Körper!

Der Umwelt zuliebe gibt es einmal im Jahr ein Müllfest. Die Kinder stellen aus Müll Mode her und präsentieren diese zu öffentlichen Anlässen. Aus Müll wie z.B. Leichtverpackungen können sich die Kinder Spielsachen selbst herstellen, ein Auto zum Hineinsetzen oder ein Haus zum darin wohnen. Sogar Lampions wurden schon hergestellt.

Seit 1997 haben wir in der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e.V. (Sektion Thüringen) einen kompetenten Partner gefunden, der uns und die Eltern in allen Fragen der Ernährung, Zahngesundheit und Umwelterziehung berät und unterstützt. Für die Durchführung einer Milch-Party und eines Fitness-Tages erhielten wir finanzielle Unterstützung.

Nach drei bis vier Jahren Kita-Zeit ist es unseren Kindern ein Bedürfnis, sich gesund zu ernähren, regelmäßig die Zähne zu putzen und den Müll zu trennen (auch zu Hause). Ein großer Teil der Eltern bestätigt uns die Weiterführung dieser Lebensgewohnheiten in den Folgejahren. Es wird immer Kinder und Eltern geben, bei denen die Bequemlichkeit siegt und die Fertigprodukte wie z.B. Milchschnitten zum Vesper mitbringen. Wir sind jedoch stolz, den größeren Teil der Kinder und Eltern von der gesünderen Variante überzeugt und zum Mitmachen bewegt zu haben.

Kerstin Mayer ist Erzieherin und Leiterin der Kindertagesstätte „Zwergenschloss“ in Weimar