Zeitschrift frühe Kindheit – Archiv

Buchrezensionen

Jedes Baby ist ein kleines Individuum, das sich Eltern wünscht, die es verstehen

Viele Eltern sind verunsichert, wenn es um den Schlaf ihres Kindes geht. Sie wissen nicht genau, wie sie sich verhalten sollen, wenn das Baby abends und in der Nacht häufig schreit und nicht in den Schlaf finden kann, wenn das Kleinkind ständig wieder aus seinem Bett krabbelt oder nachts nach Trinken und Essen verlangt.

In dem Elternratgeber „Schlafen lernen“ haben die beiden Autoren Helmut Keudel, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin, und die Sozialwissenschaftlerin Petra Kunze in sehr ansprechender und verständlicher Form viel Wissenswertes über den kindlichen Schlaf zusammengetragen. Das Buch beschreibt die verschiedenen Schlafphasen und was in ihnen vor sich geht, es erklärt die Zusammenhänge von Schlaf- und Wachzyklen sowie Hunger- und Sättigungszyklen. Es geht ein auf das Schlafbedürfnis von Kindern und dessen Ermittlung mit Hilfe eines Schlaftagebuches. In einem ausführlichen Praxisteil werden die Schlafumgebung, die Schlaf- und Essgewohnheiten, die Strukturierung des Tages sowie die Bedeutung von Ritualen als Tagesabschluss und diverse Einschlafhilfen behandelt.

Besonders lesenswert macht diesen Ratgeber, dass bei der kompetenten Vermittlung der Sachthemen immer die liebevolle Beziehung zwischen Eltern und Kind im Mittelpunkt steht. Die Sorgen und Nöte der Eltern werden ernst genommen und die Bedürfnisse der Kinder verständlich dargestellt, so dass das Ziel lautet, den individuellen Weg zu finden, auf dem das Kind so schlafen lernt, dass es für die ganze Familie gut ist.

Marita Salewski

Petra Kunze und Dr. med Helmut Keudel
Schlafen lernen
Sanfte Wege für Ihr Kind
Gräfe und Unzer Verlag 2004
128 Seiten
12,90 €

Einschlafen braucht Geborgenheit

Um ängstlichen Kindern das Einschlafen zu erleichtern, versuchen Eltern die unterschiedlichsten Tricks: die Tür zum Nebenzimmer bleibt einen Spalt offen, die Musik-CD wird eingeschaltet, neben dem Bett wird ein Nachtlicht installiert. Kein technisches Hilfsmittel allerdings kann das beruhigende Gefühl menschlicher Nähe ersetzen.

Der kleine Bär kann nicht einschlafen. Immer wieder versucht er es, aber die Angst vor der Dunkelheit ist stärker. Selbst die größte Laterne des großen Bären kann seine Angst vor dem Dunklen nicht vertreiben. Schließlich kommt dem großen Bär die rettende Idee: Er nimmt den kleinen Bär bei der Hand und führt ihn aus der Höhle mitten in die dunkle Nacht hinein. Wenig später ist der kleine Bär in den Armen des großen eingeschlafen…

Der moderne Klassiker – die Erstausgabe erschien 1988 in London – von Martin Waddell mit wunderbar einfühlsamen Illustrationen von Barbara Firth zeigt Kindern und Eltern, worauf es in Situationen der Angst in erster Linie ankommt: dass es ein vertrautes menschliches Gegenüber gibt, das auch in brenzligen Situationen Geborgenheit und Zuversicht ausstrahlt.

Dr. Jörg Maywald

Martin Waddell (Text) und Barbara Firth (Illustrationen)
Kannst du nicht schlafen, kleiner Bär?
Betz Verlag Wien, 21. Auflage 2005
32 Seiten
9,95 €