Zeitschrift frühe Kindheit – Archiv

Editorial

Liebe Leserin, lieber Leser

Der Wechsel von Wachsein und Schlafen gehört zu den grundlegenden Rhythmen des Lebens. Ein gutes Zusammenspiel beider Lebenszustände ist von großer Bedeutung für die Gesundheit von Körper, Seele und Geist. Während im Wachzustand Aufmerksamkeit und Aktivität nach außen gerichtet sind, stehen beim Schlafen körperliche Regeneration, seelische Verarbeitung und die Festigung des Gedächtnisses im Mittelpunkt.

Babys und Kleinkinder lernen allmählich einen eigenen Schlaf-Wach-Rhythmus zu entwickeln. Neben den selbstregulatorischen Fähigkeiten des Kindes spielen Umweltfaktoren wie der Wechsel von Licht und Dunkel und das Verhalten der Eltern als soziale Zeitgeber dabei eine wichtige Rolle. Die individuellen Unterschiede sind groß: Bereits im ersten Lebensjahr beträgt der Unterschied zwischen Viel- und Wenigschläfern bis zu fünf Stunden.

Die normalen Schlafkrisen in den ersten Jahren sind für alle Eltern eine Herausforderung. Sich rasch verändernde Wach- und Schlafbedürfnisse des Kindes treffen auf Aktivitäts- und Ruhegewohnheiten der Eltern(teile), die ihrerseits von zeitlichen Zwängen abhängen, die durch das Arbeitsleben oder Ausbildungstakte vorgegeben sind. Allen Familienmitgliedern werden hohe Anpassungsleistungen abverlangt, die in den meisten Fällen gelingen und dann sogar zu einer Stärkung der Eltern-Kind-Bindung führen.

Wenn sich diese ganz normalen Krisen allerdings zu handfesten Konflikten ausweiten, reichen die intuitiven Fähigkeiten der Eltern, das Baby zu verstehen und dessen Bedürfnisse mit den eigenen zu balancieren, häufig nicht aus. Beratung, Verhaltensanregungen, Entlastung im Alltag, in manchen Fällen therapeutische Angebote sind hier geboten.

Ein- und Durchschlafkonflikte in früher Kindheit sind immer wieder Vorboten für gravierende Beziehungs- und Erziehungsprobleme. Nicht selten ist eine misslungene Einschlafsituation Auslöser für die Misshandlung eines Kindes. Schlafstörungen bei jungen Kindern ernst zu nehmen und angemessene Unterstützung anzubieten ist daher ein wichtiger Bestandteil eines frühen Warn- und Hilfesystems.

Zum dritten Mal hat die Deutsche Liga für das Kind den Präventionspreis Frühe Kindheit ausgeschrieben. Das Preisgeld beträgt 5.000,- Euro. Noch bis zum 31. März 2007 können sich Einzelpersonen, Initiativen und Institutionen bewerben, die zu dem Thema „Kindeswohl und Elternverantwortung“ wegweisende wissenschaftliche Leistungen vorzuweisen oder praxisbezogene Pro-jekte durchgeführt haben.

Mit herzlichen Grüßen

Prof. Dr. Franz Resch, Präsident der Deutschen Liga für das Kind

Dr. Jörg Maywald, Geschäftsführer der Deutschen Liga für das Kind