Zeitschrift frühe Kindheit – Archiv

Schlaf und Halt

Der Beitrag körperpsychotherapeutischer Techniken zur Behandlung frühkindlicher Schlafstörungen

von Paula Diederichs, Ingo Jungclaussen und Juliane Gerstberger

Frühkindliche Schlafstörungen gehören neben Schrei- und Fütterstörungen zu den häufigsten Ursachen mütterlicher Sorgen und kinderärztlicher Konsultationen. Vor dem Hintergrund der modernen Säuglingsforschung werden diese Phänomene unter dem Begriff frühkindlicher Regulationsstörungen zusammengefasst.

Angesichts eines nach wie vor gravierenden Defizits in der bundesdeutschen Versorgungslage mit präventionsorientierten Regelangeboten im Säuglings- und Kleinkindalter sowie aufgrund wachsender empirischer Befunde über die Wirksamkeit und Zweckmäßigkeit körperpsychotherapeutischer Methoden, wird im Folgenden der besondere Beitrag körperpsychotherapeutischer Methoden zur Behandlung von frühkindlichen Schlafstörungen im Bereich der Mutter-Kind-Beratung/-Therapie dargestellt.

Grob skizziert ist ein Großteil der seit den 1990er Jahren entstandenen pädiatrischen Beratungs- und Therapieansätze zur Behandlung von Schlafstörungen und anderen frühkindlichen Regulationsstörungen entweder verhaltenstherapeutischer oder psychodynamischer Prägung. Während verhaltenstherapeutisch ausgerichtete (Schlaf-)Programme den Schwerpunkt auf die Beseitigung dysfunktionaler Interaktionsstile mit dem Ziel der Stärkung internaler Verhaltenskontrollen des Säuglings legen, stehen im Zentrum der psychoanalytisch orientierten Beratung die Bearbeitung der elterlichen unbewussten Phantasien und Wünsche dem Kind gegenüber. Dabei werden den Eltern ihre eigenen projektiven Bedeutungszuschreibungen gegenüber dem Verhalten des Kindes bewusst gemacht mit dem Ziel, die Eltern zu einem entwicklungs-adäquaten Umgang ihrer Kinder zu befähigen.

Die aus der 10jährigen Praxis der körperpsychotherapeutisch orientierten Krisenintervention stammende Erfahrung der Berliner Schreibabyambulanz hat immer wieder gezeigt, dass rein verbale Interventionen den meist körperlich sehr erschöpften Müttern und den hypertonen Säuglingen in überstreckter Rumpfhaltung nicht in allen Belangen gerecht werden. Zudem wird aus körperpsychotherapeutischer Sicht den prä-, peri- und postnatalen Einflussfaktoren eine besonders hohe Bedeutung zugemessen.

Während sich die Körperpsychotherapie im Erwachsenenbereich mittlerweile etabliert hat, ist dies bei der körperpsychotherapeutischen Behandlung von Kindern und Säuglingen nicht der Fall. Im therapeutischen Geschehen mutet das körperorientierte Vorgehen auf Seiten der Eltern/Mütter und Kinder aufgrund der wohltuenden an Massage- und Entspannung orientierten Techniken auf den ersten Blick unscheinbar bis banal an. Während dieser Eindruck wohl Stärke (gute Compliance) und Schwäche (vermeintliche Banalisierung) zugleich ist, empfiehlt sich ein Blick auf die diesem Vorgehen zu Grunde liegenden theoretischen Annahmen.

Um der kaum mehr überschaubaren Fülle und Buntheit körperpsychotherapeutischer Ansätze entgegen zu wirken, soll einleitend eine theoretische Einordnung der hier vorgestellten, von Paula Diederichs im Rahmen der Berliner Schreibabyambulanz angewandten, körperpsychotherapeutisch orientierten Verfahren vorgenommen werden. Allgemein lassen sich drei große körperpsychotherapeutische Grundströmungen unterscheiden: (1) die energetische Linie mit Wilhelm und Eva Reich und die neoreichianischen Verfahren: Bioenergetik, Biodynamik nach Boysen und Lowen. (Bild eines energetischen Körpers); (2) die bewegungsorientierte Linie: Konzentrative Bewegungstherapie, Tanztherapie nach amerikanischer (Elsa Gindler) oder deutscher Prägung (Trautmann-Voigt) (Bild eines sich bewegenden und wahrzunehmenden Körpers) sowie (3) die psychoanalytische Linie: Ferenczi, Moser, Heisterkamp, Geissler u. a. (das Bild eines sich inszenierenden Körpers in Interaktion). Die von Paula Diederichs (Schülerin von Eva Reich) im Folgenden dargestellten körperpsychotherapeutischen Interventionen sind vorrangig neoreichianischer Prägung.

Im Mittelpunkt der von Diederichs modifiziert angewandten körperpsychotherapeutischen Überlegungen von Wilhelm bzw. Eva Reich steht der Energiebegriff und die energetische Pulsation im Körper. Das hohe Bedürfnis des Säuglings nach energetischem Kontakt wird während der Schwangerschaft durch die Versorgung im Bauch der Mutter sichergestellt. Das Baby ist also bis zur Geburt im bioenergetischen System mit der Mutter verschmolzen.

Die Körperpsychotherapie bioenergetischer Prägung sieht die Genese frühkindlicher Regulationsstörungen in den Umständen von Schwangerschaft und Geburt. Hier spielt der Begriff des „Geburtstraumas“ eine zentrale Rolle. Von einigen Autoren wurde der Körperpsychotherapie entgegengehalten, dass in den entsprechenden (sub-)klinischen Populationen keine auffälligen Geburtstraumata vorzufinden seien und dies somit gegen die „Geburtstrauma-Hypothese“ spreche. Bei dieser Einschätzung spielt die Perspektive eine wichtige Rolle. Kriterien, die in der bioenergetischen Körperpsychotherapie die Qualität eines Traumas haben, müssen für andere Disziplinen nicht hinreichend sein. Dies zu betonen ist wichtig, um die sensible, spezifische (ätiologische) Perspektive der Körperpsychotherapie auf diesem Gebiet deutlich zu machen.

Vermeintlich unbedeutende prä,- peri- oder postnatale negative Einwirkungen werden aus Sicht der Bioenergetik auf zellulärer Ebene im Organismus („Körpergedächtnis“) des Embryos/Fötus und/oder des Säuglings als traumatisch gespeichert. Derart perinatale Traumata können folgende „verletzende“ Geburtssituationen sein: (Not-)Kaiserschnitte; medikamentöse Verabreichungen; Nabelschnurumschlingung (NSU); langes Verweilen im Geburtskanal; vorzeitiges Ablösen der Plazenta („Plazenta praevia“); Saugglocken, Zangengeburt oder andere invasive Geburtshilfe wie massives Drücken auf den mütterlichen Bauch; Abflachen der kindlichen Herzfrequenz; Absinken des Sauerstoffwertes im Blut („Hypoxie“).

Zu den pränatalen Beeinträchtigungen folgen wir aus körperpsychotherapeutischer Sicht im Wesentlichen den Überlegungen der Pränatalpsychologie, besonders Janus’scher Prägung. Neben den offensichtlichen Formen pränataler Traumata, wie Drogen- , Nikotin oder Alkoholkonsum oder Unfälle zählen wir hierzu u.a. ärztlich verordnetes Zwangsliegen, ambivalent-ablehnende mütterliche sowie väterliche Haltung gegenüber dem Kind, mütterlicher Stress in der Schwangerschaft (Partnerprobleme, Existenzsorgen, Umzüge), Angst um den Verlust des Kindes bzw. pränataldiagnostische Befunde, die auf eine Behinderung schließen ließen, sich aber nicht bestätigt haben.

Als postnatale Traumata lassen sich postpartale Depressionen, postpartale medizinische Komplikationen (Gelbsucht, nicht verheilende Kaiserschnittwunden), ungenügende Mutter-Kind-Bindungsphasen, frühe Trennung von der Mutter sowie der Wunsch der Mutter nach sozialer (väterlicher) Unterstützung einstufen.

Ganz gleich, welcher Faktor im einzelnen für eine Beeinträchtigung verantwortlich ist: aus körperpsychotherapeutischer Sicht arbeiten wir mit dem Begriff des „Stresses“, der sich entweder durch prä-, peri- oder postnatale Traumata im mütterlichen und/oder kindlichen zellulären Gedächtnis auf der Körperebene widerspiegelt und zu einem innerorganismischen Entspannungsproblem führt. Diese im Körper gespeicherten Traumata führen zu energetischen Blockaden, die sich durch die körperpsychotherapeutische Behandlung in Form von Verstehen der Situation und körperorientierten Entspannungs- und Massagetechniken wieder lösen können.

Fallvignette
(berichtet von Paula Diederichs)

Erste Stunde
Die erschöpften Eltern kommen mit ihrem zwei Monate alten Baby Martin in die Berliner Schreiambulanz. Sie berichten von schweren Einschlafproblemen und Verdauungsstörungen ihres Babys. Sehr schnell wird das Bedürfnis der Eltern spürbar, die schlimmen Erfahrungen während der Geburt zu berichten.
Die Schwangerschaft sei zunächst unauffällig verlaufen und die Voraussetzungen für das Baby seien aufgrund der Vorfreude der Eltern, Großeltern, Freunde und Verwandten positiv gewesen. Die Mutter, eine 32-jährige türkische Frau, berichtet mir, gemäß dem errechneten Termin der Ärzte erste Wehen bekommen zu haben. Ihr Mann, ein 39jähriger Deutscher brachte sie in die Klinik. Dort verabreichte man ihr zunächst wehenfördernde Mittel, da die Wehen nicht ausreichend stark gewesen seien. Am zweiten Kliniktag habe der zuständige Arzt dann intrauterin Blut abnehmen wollen, wobei die Fruchtblase zerstört wurde. Danach habe die dringende Notwendigkeit bestanden, die Geburt voranzutreiben, da die Fruchtblase ja geplatzt war, so dass die Wehen weit über das normale Maß gesteigert wurden. Ab jetzt wurde die Geburt als Risikogeburt eingestuft und dem Paar sei jedes Mitspracherecht verweigert worden. Die Patientin berichtet, dass ihnen auch nichts mehr erklärt worden sei. Irgendwann sei während der Geburt die Herzfrequenz des Kindes zu niedrig geworden, woraufhin ein Notkaiserschnitt beschlossen wurde. Der Wehentropf sei währenddessen nicht abgestellt worden, was starke Schmerzen für die Mutter und damit Stress für Mutter und Kind bedeuteten.
Einen Tag nach der Geburt mit Kaiserschnitt habe man dann ohne Erklärung Martin auf die Kinderstation gebracht. Mit Blick auf die Risikogeburt sei er dort prophylaktisch einer Antibiotikatherapie unterzogen worden. Mutter und Kind waren daraufhin für drei Tage getrennt. Der Mutter sei dort das Recht auf Stillen verweigert worden, welches sie sich allerdings mühsam „zurückerobert“ habe. Man beschuldigte sie, das Kind zu überfordern. Aber alle vier Stunden durfte sie nun am Tag ihr Kind stillen, nachts aber nicht. Am dritten Tag habe sie diesen vierstündigen Zeitzyklus nicht mehr beachtet und wollte ganz nach Bedarf stillen. Zusätzlich insistierte die Hebamme und sagte, dass das mit dem Stillen nicht so wichtig sei. Die Mutter sollte es das nächste Mal besser lassen und stattdessen die Flasche geben. Das setzte die Mutter noch mehr unter Druck, da sie sich in ihrer Mutterkompetenz zurückgewiesen gefühlt habe. Mit Blick darauf, dass eine parasympathische Aktivität (Entspannung) eine Voraussetzung für das Stillen ist, stellten sich aufgrund des so anwachsenden Stresses zusätzliche Stillprobleme ein. Sie bekam immer weniger Milch. Nach weiteren zwei Tagen stellten sich dann erhebliche Schlafprobleme ein, (Martin wurde alle 1,5 Stunden nachts wach) weshalb die Eltern nach zwei Wochen, ziemlich am Ende ihrer Kräfte, die Sprechstunde der Berliner Schreiambulanz aufsuchten.
Die Mutter reagierte auf die Geschehnisse mit großer Verunsicherung. Sie berichtete eine zunehmende Entfremdung ihrem Kind gegenüber, was sie auf die frühe Trennung und die Klinikumstände zurückführe. Ihr Kind sei aus ihrer Sicht im Krankenhaus von Fremden versorgt und im Arm gehalten worden. Bei einem strikten Vier-Stunden-Rhythmus erschien ihr der Umgang der Kinderschwestern mit den Säuglingen zudem sehr lieblos und unpersönlich, worunter sie während der dreitägigen Trennung vom Baby sehr litt.
Ich bestätigte die Mutter eingangs in ihrer Wahrnehmung und ließ ihren Bericht über die als schrecklich erlebte Geburtssituation und frühe Trennung auf mich wirken. Dieser Prozess lässt sich mit Blick auf Reich als „vegetative Identifikation“ beschreiben: Dieser Begriff beschreibt, dass der/die Therapeut(in) im eigenen Körper Empfindungen/Gefühle, energetische Vorgänge des/der Klienten/in mitfühlt. Es geht hierbei nicht um Gegenübertragung, in der der/die Therapeut(in) eigene Gefühle/Themen generiert.
Anschließend fokussierte ich als positive Ressource den sehr guten familiären Rückhalt und die Vorfreude der ganzen Familie auf das Kind und machte der Mutter bewusst, dass die Bindung zum Baby sich bereits in der Schwangerschaft aufgebaut habe, was für die Mutter eine deutlich entlastende Funktion hatte. Da die Schwangerschaft zudem positiv verlaufen sei, wäre ein möglicher Bruch in der Bindung in jedem Fall reversibel.
Im weiteren Verlauf der Behandlung zeigte das kläglich jammernde Kind ein stark unruhiges Verhalten, ruderte mit Armen und Beinchen und schien dabei haltlos. Mit Erlaubnis der Eltern nahm ich das Kind in der Embryonalstellung – die Gliedmaßen fest an den Körper gedrückt – auf den Arm. In dieser Stellung wurde Martin sofort ruhig und schlief ein.
Den Eltern wurde die Bedeutung dieser Haltung erklärt, in der das Kind auch nachgeburtlich in der Lage ist, das ursprüngliche symbiotische Gefühl des Einsseins mit der eigenen Mutter zu erleben. Der Körper erfährt Halt, Sicherheit Geborgenheit und Grenzen (vgl. Mutterleib).

Zweite Stunde
In der zweiten Stunde wurde die noch bestehende Schlaf- und Stillproblematik weiter thematisiert. Um den nachdrücklichen Wunsch der Mutter zu Stillen ernst zu nehmen und den Bindungsprozess zwischen Mutter und Kind wieder aufzunehmen, wurde die Mutter darin bestärkt, ihrem Wunsch zu folgen und auch gegen den Willen der Hebamme ihr Kind zu stillen. Da in der Brust der Mutter sehr wenig Milch vorhanden und das Baby hungrig war, sollte das Kind nach dem Stillen zusätzlich die Flasche bekommen. Durch die Zufütterung wurde das mütterliche Über-Ich gelockert, allumfassend Stillen zu müssen. Die Beziehung wurde entspannter und Martin bekam dennoch genug Nahrung. Durch diese Lösung wurde gleichermaßen auf die Bedürfnisse der Mutter und des Kindes geachtet.
Dennoch blieb der Organismus der Mutter stark angespannt, so dass es von zentraler Bedeutung war, der verunsicherten Frau Entspannungsmethoden in Form von speziellen Körperhaltungen und Atemtechniken zu zeigen. Diese gezielte Übung, sich bewusst auf eine ruhigere Atmung zu konzentrieren, folgt dem körperpsychotherapeutisch-bioenergetischen Prinzip des Zentrierens. Dabei besteht das Ziel der therapeutischen Technik des Zentrierens darin, einen funktionalen Rhythmus im Fluss der Stoffwechselenergie und somit das Gleichgewicht zwischen Sympathikus und Parasympathikus wiederherzustellen.
Auch wenn das Baby anfangs nicht viel Milch saugte, wurde durch das Anlegen ein wichtiger Schritt zwischen Mutter und Kind ermöglicht: ein Rebonding, das eine erste Heilung des erlittenen Geburtsschocks und der Trennung ermöglichte. Die Mutter fühlte sich dabei in ihrer Mutterkompetenz wahrgenommen und unterstützt. Mutter und Kind entspannten sich. Körperorientierte Verfahren und analytisches Über-Ich Lockern (im obigen Sinne) gingen hier methodisch Hand in Hand und erreichten das gewünschte Ziel.
Während die Stillproblematik so rasch gelöst werden konnte, bestanden weiterhin die nächtliche Unruhe bzw. die (Durch-)Schlafstörungen des Kindes. Da dieses Problem die ganze Familie beeinträchtigte, erschien es sehr relevant, eine Möglichkeit der allgemeinen Entspannung zu finden. Begonnen wird dabei mit einer Fußmassage der Mutter. Die Fußmassage folgt dabei einem für das körperpsychotherapeutische Arbeiten grundlegenden Eckpfeiler: der Erdung. Bei Interventionen mit dem Ziel der Erdung, wie die Fußmassage, geht es nicht um einen mechanischen Kontakt zwischen Füßen und Boden, sondern um das affektiv-verinnerlichte Bild von sich im Bezug auf den Grund.
Durch die erdende Fußmassage erschien die Mutter weniger aufgelöst, diffus und von ihren Gedanken geplagt und kopflastig, sondern mehr im Kontakt mit sich und ihrem Körper. Aus psychodynamischer Sicht würden wir die hierdurch erzielte supportive Stärkung ihrer Ich-Funktionen auf der Ebene des Strukturniveaus hervorheben.
Als nächstes erhielt Martin eine spezielle Knet-Massage („Geburtssimulations-Massage“), damit er besser in seinem Körper ruhen lernt. Dabei wird der ganze Körper des Kindes durchgeknetet und von oben bis unten auf jeder Körperseite vom Kopf bis zu den Füssen kräftig ausgestrichen. Der innerorganismische Stress wird hier zuerst gelockert und dann nach unten ausgestrichen.
Kaiserschnittbabys haben oft einen Ausdruck, als ob sie noch nicht richtig auf dieser Erde angekommen sind. Diese Berührungen erden sie. Die Bewegungen von oben nach unten wirken entspannend und die Körpergrenzen erfahrend. Durch das kräftige Streichen entsteht in dem Körper das Gefühl von Halt. Dieses stellt sich jedoch nur ein, wenn von demjenigen, der massiert, eine Bindung zum Kind hergestellt ist. Der gestauten Energie des Körpers wird eine Richtung vorgegeben und zwar ins Loslassen, das heißt der Körper kann entspannen und somit auch besser schlafen.

Dritte Stunde
In der dritten Stunde war die Mutter sehr aufgeregt. Ihre Kaiserschnitt-Narbe sei rot und geschwollen. Es kam heraus, dass sie sich nach dem Krankenhausaufenthalt keine Ruhe gegönnt hatte, sondern Einkäufe erledigt, die Wohnung in Ordnung gebracht und Freunde besucht hatte. Das Thema „Ruhe gönnen“ wurde fokussiert. So fragte ich sie, ob sie bereit, sei eine Rückenmassage bzw. einen Rückenhalt zu empfangen. Dabei schaute sie mich erstaunt an, warum sie was bekommen solle, wenn doch ihr Kind die Probleme habe. Ich erklärte ihr, wenn sie was Gutes für sich bekomme, könne sie das dem Kind auch weitergeben und ihm so helfen. Die Berührungen am Rücken nahm sie dann dankend an und genoss diese auch sichtlich. Die Mutter war dabei in Schräglage, so dass die Narbe nicht geschmerzt hat. Das Baby lag dabei neben der Mutter und fühlte sich dort sehr wohl. Danach wurde dem Baby nochmals die Knetmassage gegeben, welche es auch sichtlich mochte. Am Ende der Prozedur wurde die Mutter gefragt, ob sie einen Unterschied zu vorher wahrnehmen könne. Das war der Fall. Ich empfahl ihr, die nur kurze Übung in ihren Alltag zu integrieren (z.B. Partner-Rücken-Massage).

Vierte Stunde
In der vierten Stunde berichtete die Mutter, dass die Schlafproblematik verschwunden sei und sich die Lage entspannt habe. Sie wirkte wesentlich gefestigter. Das Anfassen des Kindes war klarer, mit wesentlich mehr Halt. Sie strahlte und freute sich Mutter zu sein. Abschließend wurden die Erlebnisse und Inhalte im gemeinsamen Gespräch reflektiert.

Die vollständige Fassung ist über die Geschäftsstelle erhältlich.

www.schreibabyambulanz.info

Paula Diederichs ist Diplom-Sozialpädagogin, Körperpsychotherapeutin und Leiterin der SchreiBabyAmbulanzen in Berlin.

Juliane Gerstbergerist Diplom-Psychologin, Körperpsychotherapeutin und SchreiBaby-Therapeutin in Berlin.

Ingo Jungclaussen ist Sonderpädagoge und Diplom-Psychologe in Köln.