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Unser ca. wöchentlich erscheinender Newsletter enthält Nachrichten rund um die Themen Kind, Familie, Gesellschaft und Politik.

Newsletter Nr. 6/2021 vom 15. Februar 2021

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1. Stärkung der Familienbildung jetzt! Offener Brief anlässlich der Reform des SGB VIII
2.
Zukunftsforum Familie zum Sozialschutzpaket III: Arme Familien verdienen mehr!
3.
Verband alleinerziehender Mütter und Väter (VAMV): Voller Kinderbonus für Alleinerziehende!
4.
Deutsches Kinderhilfswerk: Schulen und Kitas flexible Handlungsspielräume eröffnen
5.
KTK: Verlässliche Impfstrategie notwendig
6.
VAMV: Alleinerziehende stärker im Lockdown mitdenken!
7.
Familienorganisationen drängen auf Rechtsanspruch für qualitativ hochwertige Ganztagsbetreuung
8.
UBSKM und Initiative „SCHAU HIN! für einen besseren Schutz vor sexuellem Missbrauch im Netz
9.
DKHW anlässlich des Safer Internet Day 2021: Launch der Webseite www.schulsache.de
10. Stiftung Lesen prüft Apps zur Sprach- und Leseförderung
11.
Bundesverband Kinderhospiz: Verwaiste Familien brauchen freien Zugang zu Trauerbegleitung
12.
World Vision Deutschland: Kindersoldatinnen vielfältig stigmatisiert

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1. Stärkung der Familienbildung jetzt! Offener Brief anlässlich der Reform des SGB VIII

Anlässlich der aktuellen parlamentarischen Debatten um eine Reform des Kinder- und Jugendhilferechts (SGB VIII) sprechen sich 23 Organisationen gemeinsam dafür aus, die Familienbildung als niedrigschwellige und wirksame Unterstützung für Familien zu stärken. Das Zukunftsforum Familie (ZFF) zeichnet diesen Brief mit.

Der offene Brief wurde versendet an die Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, die zuständigen Minister*innen der Bundesländer, die Fraktionsspitzen im Deutschen Bundestag sowie die Mitglieder des Ausschusses für Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Deutschen Bundestag.

Britta Altenkamp, Vorsitzende des Zukunftsforum Familie, erklärt: „Die Auswirkungen der Corona-Krise haben Familien in den vergangenen Monaten eine enorme Kraftanstrengung abverlangt. Gerade in dieser Situation brauchen sie eine verlässliche und niedrigschwellige Begleitung durch die Familienbildung vor Ort. Eine zentrale Aufgabe dieser Angebote ist es, Eltern in ihren Beziehungs- und Erziehungskompetenzen zu stärken, um Kindern ein Aufwachsen in Wohlergehen zu ermöglichen. Gute Familienbildung braucht dabei passende Rahmenbedingungen. Die Aussichten angesichts knapper werdender kommunaler Kassen sehen allerdings schlecht aus und Leistungen nach § 16 SGB VIII, zu denen die Angebote gehören, stehen oft an der Spitze der Kürzungslisten. Wir fordern daher dringend den Bund und die Länder auf, die aktuelle Reform des Kinder- und Jugendhilferechts zu nutzen und die Familienbildung zukunftsfest zu machen!“

Der Wortlaut des offenen Briefes: Die Familienbildung nach § 16 SGB VIII leistet einen bedeutsamen Beitrag zur Gestaltung einer kinder- und familienfreundlichen Gesellschaft. Sie bietet über alle Familienphasen hinweg Begleitung und Unterstützung bei der Erziehung, Bildung, Gesundheit und in Alltagsfragen und stärkt die Bindungs- und Beziehungsstabilität in Familien.

Wir, die unterzeichnenden Organisationen, begrüßen es daher sehr, dass der Gesetzentwurf zur Reform des SGB VIII das inhaltliche Leistungsspektrum der Familienbildung in § 16 SGB VIII-E exemplarisch aufzeigt, Grundlagen für Kooperation und Vernetzung im Sozialraum schafft und mit der neu vorgeschlagenen Formulierung endlich Abstand nimmt von einem defizitären Blick auf Eltern und Familie.

Um ihrem wichtigen Auftrag aber gerecht werden zu können, braucht Familienbildung strukturelle Voraussetzungen, um dauerhaft, verlässlich und wirkungsvoll den Familien in ihrem Sozialraum zur Verfügung zu stehen. Wir fordern Sie daher dringend auf, die Verbindlichkeit der Bereitstellung von Angeboten der Familienbildung durch den öffentlichen Träger der Jugendhilfe zu erhöhen!

Dazu muss/müssen in § 16 SGB VIII klargestellt werden, dass es sich bei der Formulierung („sollen…angeboten werden“) nicht um eine freiwillige Leistung der Kommune, sondern um eine Pflicht zur Bereitstellung der entsprechenden Infrastruktur handelt, die Verpflichtung der Länder zur Formulierung konkreter Ausführungsbestimmungen und Förderrichtlinien im Hinblick auf die Leistungen in § 16 SGB VIII aufgenommen werden sowie die §§ 74 Absatz 6 und 79 Absatz 2 Satz 2 SGB VIII explizit um die Leistungen der Familienförderung und ihre Einrichtungen erweitert und somit der Förderung der Jugendarbeit gleichgestellt werden.

Der jetzt formulierte Zusatz in § 16 SGB VIII-E zur Entwicklung vernetzter, kooperativer und sozialraumorientierter Angebotsstrukturen unterstreicht die Bedeutung des § 79 Abs. 2 Satz 2 SGB VIII-E, welcher klar die Gesamtverantwortung des Trägers der öffentlichen Jugendhilfe bei der Gewährleistung von Aufbau und Weiterentwicklung verbindlicher Strukturen zur Zusammenarbeit betont. Daraus folgt, dass auch für die Familienbildung die entsprechenden Mittel und Personalressourcen vorgehalten und finanziert werden müssen, um Zusammenarbeit vor Ort möglich zu machen.

Die soziale Krise als Folge der Corona-Pandemie zeigt uns deutlich, wie dringend Kinder, Jugendliche und ihre Familien vor Ort auf niedrigschwellige Unterstützung und Beratung angewiesen sind.

Quelle: Pressemitteilung des Zukunftsforums Familie vom 9. Februar 2021

Anmerkung der Redaktion: Der offene Brief wird mitgezeichnet von 23 Organisationen, darunter der Deutschen Liga für das Kind.

 

2. Zukunftsforum Familie zum Sozialschutzpaket III: Arme Familien verdienen mehr!

Anlässlich des gestrigen Kabinettsbeschlusses des Sozialschutzpakets III begrüßt das Zukunftsforum Familie e. V. (ZFF) die Einmalzahlung für Grundsicherungsempfänger*innen, mahnt aber eine nachhaltige Unterstützung armer Familien an.

Das Kabinett hat gestern das Sozialschutzpaket III beschlossen, welches verschiedene Vorhaben des letzten Koalitionsausschusses umsetzt. Zentrale Maßnahme ist eine Einmalzahlung von 150 Euro an erwachsene Grundsicherungsberechtigte, um Corona-bedingte Mehrausgaben abzufedern. Im Rahmen des Koalitionsausschusses hatte sich die Bundesregierung daneben auf einen weiteren Kinderbonus geeinigt. Der einmalige Zuschlag auf das Kindergeld soll 150 Euro pro Kind betragen, der bei der Grundsicherung anrechnungsfrei bleibt, jedoch mit dem Kinderfreibetrag verrechnet wird.

Dazu erklärt Britta Altenkamp, Vorsitzende des ZFF: „Armut in Corona-Zeiten grenzt Kinder, Jugendliche und ihre Familien aus, denn Bildungs- und Teilhabechancen bleiben vom Geldbeutel der Eltern abhängig. Wir begrüßen daher, dass Menschen in der Grundsicherung nun eine Einmalzahlung von 150 Euro erhalten sollen. Auch der angekündigte Kinderbonus soll armen Familien zugutekommen, denn er soll nicht auf die Grundsicherung angerechnet werden. Das ist das richtige Signal in der Krise, denn so können Familien unbürokratisch unterstützt werden. Anders als die Bonuszahlung aus dem letzten Jahr muss der Bonus aber tatsächlich bei allen Familien ankommen. Alleinerziehende müssen profitieren, dementsprechend darf der Bonus nicht zur Hälfte von der Unterhaltszahlung des anderen Elternteils abgezogen werden. Daneben müssen auch Familien, die keine längerfristige Aufenthaltsgenehmigung haben, etwa ausländische Studierende oder viele Eltern mit einer Duldung, im Blick behalten werden. Diese waren von der letzten Bonuszahlung komplett ausgeschlossen. Wir fordern, es dieses Mal besser zu machen!“

Altenkamp ergänzt: „Angesichts der Belastungen armer Menschen in der aktuellen Krisensituation bleiben die Zahlungen ein Tropfen auf dem heißen Stein. Sie reichen bei Weitem nicht aus, um arme Kinder und Familien nachhaltig zu unterstützen. Wir setzen uns für längerfristige Aufstockungen der Regelsätze und krisenbedingte Erhöhungen, zumindest für die Zeit der Pandemie, ein. Darüber hinaus macht diese Krise deutlich, dass wir dringend nachhaltige Lösungen brauchen: Langfristig fordern wir die Einführung einer Kindergrundsicherung, die das Aufwachsen von Kindern und Jugendlichen sozial gerecht absichert.“

Quelle: Pressemitteilung des Zukunftsforums Familie vom 10. Februar 2021

 

3. Verband alleinerziehender Mütter und Väter (VAMV): Voller Kinderbonus für Alleinerziehende!

Der Bundestag berät heute über den Kinderbonus in Höhe von 150 Euro. „Diesmal muss der Kinderbonus voll bei den Alleinerziehenden ankommen“, fordert Daniela Jaspers, Bundesvorsitzende des Verbandes alleinerziehender Mütter und Väter e.V. (VAMV). Im vergangenen Jahr konnten Unterhalt zahlende Elternteile die Hälfte des Kinderbonus für sich beanspruchen, selbst wenn sie sich angesichts geschlossener Schulen und Kitas kaum oder gar nicht um die Betreuung ihres Kindes gekümmert haben. „Halber Kinderbonus bei doppelter Belastung hat im vergangenen Jahr für viel Unverständnis, Wut und Empörung bei Alleinerziehenden gesorgt. Nur wenige Alleinerziehende sind in der glücklichen Situation, dass der andere Elternteil die fehlende Kinderbetreuung mit ausgleicht“, erläutert Jaspers. Laut einer Elternbefragung aus 2020 blieb bei Alleinerziehenden die Aufteilung der Betreuung mit 73 Prozent stabil, bei 18 Prozent wurde sie ungleicher und bei lediglich 9 Prozent weniger ungleich. „Diesmal muss der Kinderbonus so ausgestaltet sein, dass er voll dort zur Verfügung steht, wo gebraucht wird: am Lebensmittelpunkt des Kindes, da hier die Kosten für das Kind entstehen“, unterstreicht Jaspers. „Alleinerziehende haben typischerweise Mehrausgaben im Lockdown, etwa weil das Mittagessen in Schule und Kita wegfällt, weil Homeschooling Druckerpatronen kostet. Wir wollen einen Kinderbonus und keinen Elternbonus – deshalb fordern wir den vollen Kinderbonus für Alleinerziehende! Fürs Wechselmodell schlagen wir eine hälftige Verteilung des Kinderbonus in den paritätisch betreuenden Haushalten vor“, so Jaspers. Eine pauschale Aufteilung des Kinderbonus wäre jedoch eine Benachteiligung von Alleinerziehenden, die aufgrund der Coronakrise an ihre Grenzen gehen müssen oder sogar darüber hinaus. „Dass die Bundeskanzlerin im Familiendialog in Aussicht gestellt hat, mit der Familienministerin über diese hälftige Aufteilung des Kinderbonus zu sprechen, hat Alleinerziehenden Hoffnung auf eine gerechte Ausgestaltung gemacht“, betont Jaspers. Da der Kinderbonus als einmalige Erhöhung des Kindesgelds umgesetzt ist, greift auch hier die hälftige Aufteilung zwischen getrennten Eltern. Der Kinderbonus hat aber einen ganz anderen Zweck als das Kindergeld: die anhaltenden Belastungen aufgrund der Corona-Pandemie aufzufangen und so die Konjunktur anzukurbeln. Der VAMV hat bereits 2020 einen Formulierungsvorschlag vorgelegt, mit dem der Kinderbonus voll bei Alleinerziehenden ankommt.

Quelle: Pressemitteilung des Verbandes alleinerziehender Mütter und Väter (VAMV) vom 12. Februar 2021

 

4. Deutsches Kinderhilfswerk: Schulen und Kitas flexible Handlungsspielräume eröffnen

Das Deutsche Kinderhilfswerk fordert im Vorfeld der heutigen Bund-Länder-Beratungen von Bundeskanzlerin Angela Merkel und den Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten der Länder weitgehendere Handlungsspielräume für ortsspezifisch notwendige Corona-Maßnahmen. Aus Sicht der Kinderrechtsorganisation müssen die flächendeckenden Schul- und Kitaschließungen, und auch die Schließungen von Einrichtungen der Kinder- und Jugendarbeit, aufgehoben werden. Stattdessen sollten Bund, Länder und Kommunen einen „Setzkasten“ möglicher Maßnahmen zur Verfügung stellen, damit die Bildungseinrichtungen situationsangemessen flexibel auf die Corona-Pandemie reagieren können. Leitziel muss es dabei sein, das Recht auf Bildung im Sinne ganzheitlicher Persönlichkeitsentwicklung von Kindern zu gewährleisten.

„Wenn es um Schulen und Kitas, aber auch um die Kinder- und Jugendarbeit allgemein geht, brauchen wir eine vorrangige Berücksichtigung der kindlichen Interessen, so wie es in der UN-Kinderrechtskonvention festgeschrieben ist. Hier hilft nicht der ,Holzhammer‘ mit flächendeckenden Schließungen aller Einrichtungen, sondern diese Bildungseinrichtungen benötigen ein umfangreiches Paket aus finanzieller Unterstützung und konkreten Fortbildungs- und Ausstattungsangeboten. Schulen und Kitas sowie Kinder- und Jugendeinrichtungen sollten dann wie aus einem Setzkasten in Absprache mit den Gesundheitsämtern die für die Situation vor Ort effektivste Maßnahme zur Verwirklichung des Rechts auf Bildung einerseits und zur Bekämpfung der Corona-Pandemie andererseits ergreifen können“, betont Holger Hofmann, Bundesgeschäftsführer des Deutschen Kinderhilfswerkes.

„Wie ein sicherer Schulunterricht funktionieren kann, haben die vier Fachgesellschaften für Epidemiologie, für Public Health, für Kinder- und Jugendmedizin und für pädiatrische Infektiologie am Montag in einer Leitlinie dargelegt. Jetzt muss entsprechend gehandelt werden. Zur Bekämpfung der Corona-Pandemie müssen beispielsweise alternative Räumlichkeiten angemietet werden, um eine Entzerrung der räumlichen Enge in vielen Schulen und Kitas zu ermöglichen. Hotels, Museen, Jugendherbergen, Volkshochschulen, Theater, Freizeiteinrichtungen, Bürgerhäuser, Sporthallen: Hier gibt es unzählige Möglichkeiten, die ebenso wie Luftfilteranlagen und mobile Raumluft-Filter nicht an Verwaltungsvorschriften und angeblichem Geldmangel scheitern dürfen. Notwendiges zusätzliches Personal könnten beispielsweise auch Lehramtsstudierende, Museums- und Theaterpädagogen oder Dozentinnen der Volkshochschulen sein. Auch sollte den Schulen ermöglicht werden von der festen Stundentafel abzuweichen, um projektorientierten Unterricht in gleichbleibenden Lerngruppen realisieren zu können“, so Hofmann weiter.

Zusätzlich zu den konkreten Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie ist aus Sicht des Deutschen Kinderhilfswerkes auch ein Experten/innenrat mit Verantwortlichen aus Gesundheits- und Bildungsbehörden unter Einbezug von Schülerinnen und Schülern sowie von Fachkräften und Elternverbänden unabdingbar, um in regelmäßigen Abstimmungen und einem Erfahrungsaustausch das Ineinandergreifen von Maßnahmen sowie den gemeinsamen Umgang mit bildungspolitischen Folgen der Corona-Krise zu gewährleisten. Zudem muss dauerhaft gewährleistet werden, dass sich alle Beschäftigten in Schulen und Kitas regelmäßig und kostenfrei auf das Corona-Virus testen lassen können, auch wenn sie symptomfrei sind. Informationen über die jeweiligen Verfahrensweisen und ausgewählte Standorte für eine Testung müssen für Beschäftigte transparent und zugänglich sein.

Quelle: Pressemitteilung des Deutschen Kinderhilfswerks vom 10. Februar 2021

 

5. KTK: Verlässliche Impfstrategie notwendig

Die von Bund und Ländern angekündigte schrittweise Öffnung der Kindertagesbetreuung berücksichtigt die Realität in den Einrichtungen nicht, die bereits für einen Großteil der Kinder geöffnet sind. Nach einem Jahr Pandemie sind die Maßnahmen zum Arbeitsschutz und die flächendeckende Möglichkeit von Tests immer noch unzureichend, kritisiert der Bundesverband katholischer Tageseinrichtungen für Kinder (KTK).

„Dass Kinder und Eltern auf die Angebote von Kindertageseinrichtungen angewiesen sind, wissen wir. Deswegen hatten in den zurückliegenden Wochen auch über 80 Prozent unserer Einrichtungen geöffnet!“ Darauf weist Clemens Bieber, Vorsitzender des KTK-Bundesverbandes hin. Es sei dringend geboten, die Situation der Fachkräfte in den Blick zu nehmen. „Solange die Erzieherinnen und Erzieher nicht geimpft sind, müssen die erforderlichen Voraussetzungen für ein sicheres Arbeiten in Kindertageseinrichtungen sichergestellt werden, so der Würzburger Domkapitular.

„Unsere pädagogischen Fachkräfte arbeiten seit Monaten unter schwierigen Bedingungen, um die Kindertagesbetreuung aufrechtzuerhalten und leisten für Kinder und deren Eltern einen unverzichtbaren Beitrag in der Pandemie“, betont Mirja Wolfs, stellvertretende Vorsitzende des KTK-Bundesverbandes. „Damit sie trotz der hohen Belastung gut arbeiten können, brauchen sie unverzüglich mehr Unterstützung“, stellt Mirja Wolfs klar. Dazu gehören nach Auffassung des KTK-Bundesverbandes sichere Teststrategien, bei denen die pädagogischen Fachkräfte vorrangig berücksichtigt werden, flächendeckende Maßnahmen zum Infektionsschutz und zur Verbesserung der Hygiene, die von Bund und Ländern unterstützt und koordiniert werden, die Betreuung der Kinder in kleinen Gruppen und die damit erforderliche Ausweitung der Raumkapazitäten zur Minimierung des Infektionsgeschehens, indem öffentliche Gebäude zur Verfügung gestellt werden. „Erforderlich sind aber auch flexible Übergangslösungen von ergänzenden Arbeitskräften und deren Finanzierung“, so Mirja Wolfs.

„Dass nun darüber beraten wird, wie die pädagogischen Fachkräfte so schnell wie möglich geimpft werden können, unterstreicht die Bedeutung der Kindertageseinrichtungen“, darauf weist Clemens Bieber hin. Dringend erforderlich sei es jetzt, für die Impfung des Personals in Zusammenarbeit mit den Trägern verlässliche Umsetzungskonzepte zu entwickeln, um einen möglichst reibungslosen Ablauf sicherstellen. Dazu gehören unter anderem umfangreiche Informationen, eine koordinierte Terminvergabe und mobile Impfteams.

Quelle: Pressemitteilung des Bundesverbandes katholischer Tageseinrichtungen für Kinder (KTK) vom 11. Februar 2021

 

6. VAMV: Alleinerziehende stärker im Lockdown mitdenken!

Mit Blick auf die anstehende Konferenz der Ministerpräsident*innen mit der Kanzlerin über die weiteren Corona-Eindämmungsmaßnahmen fordert der Verband alleinerziehender Mütter und Väter Bundesverband e.V. (VAMV), bundesweit Familien einen Kontakt mit einer anderen festen Familie zu ermöglichen. „Für Alleinerziehende bedeuten die aktuellen Kontaktbeschränkungen soziale Isolation“, bemängelt Daniela Jaspers, Bundesvorsitzende des VAMV. Selbst in den Bundesländern, in denen sich zwei Familien zu einer Betreuungsgemeinschaft zusammenschließen dürfen, müssen die Erwachsenen draußen bleiben. „Kinder brauchen Kinder, Erwachsene brauchen aber auch andere Erwachsene. Wir sind besorgt, dass viele Alleinerziehende wegen der Belastungen der Coronakrise kurz vor einem Burnout stehen. Eine feste andere Familie treffen zu können, wäre bereits eine Entlastung. Auch die Berliner Regelung könnte ein Vorbild sein, nach der sich zwei Alleinerziehende mit ihren Kindern treffen dürfen. Die Altersgrenze sollte bei Kindern bis 14 Jahren liegen.“ Außerdem fordert Jaspers: „Sobald ein Lockern der Beschränkungen möglich ist, müssen als erstes die Kitas und Schulen geöffnet werden.“ Das hatte die Kanzlerin beim Familiendialog vergangene Woche versprochen. „Hierfür braucht es gute, sichere und verlässliche Konzepte, die sich stärker an Infektionszahlen als an Ländergrenzen orientieren und somit bundesweit einheitlich umgesetzt werden sollten.“ Die Notbetreuung wird Hand in Hand mit einer absehbaren stufenweisen Öffnung noch weiter Bedeutung haben. „Hier ist es wichtig, vor Ort für eine einheitliche Praxis zu sorgen: Immer noch müssen Alleinerziehende mit ihrer Kita darüber diskutieren, dass sie auch bei gemeinsamem Sorgerecht die Hauptverantwortung tragen und alleinerziehend sind oder ob sie an einem freien Tag die Notbetreuung in Anspruch nehmen dürfen. Dabei wäre einmal kurz durchschnaufen können gerade jetzt so wichtig für Alleinerziehende“, betont Jaspers. „Das Kinderkrankengeld scheint bislang wenig in Anspruch genommen zu werden – etwa da die Kinder ab zwölf rausfallen oder nicht gesetzlich versichert sind, da der Einkommensverlust zu hoch wäre oder da es keine Teilzeit-Variante gibt. Wie auch beim geplanten Kinderbonus gibt es hier Nachbesserungsbedarf, damit Alleinerziehende gut durch die Coronakrise kommen können“, mahnt Jaspers.

Quelle: Pressemitteilung des Verbandes alleinerziehender Mütter und Väter (VAMV) vom 9. Februar 2021

 

7. Familienorganisationen drängen auf Rechtsanspruch für qualitativ hochwertige Ganztagsbetreuung

Arbeitsgemeinschaften der Familienorganisationen im Bund und in den Ländern rufen in einem gemeinsamen offenen Brief zur Einführung eines Rechtsanspruchs auf Ganztagsbetreuung für Kinder im Grundschulalter auf. Sie fordern die Bundes- und Landesregierungen dringend auf, die zurzeit stattfindenden Verhandlungen über einen solchen Rechtsanspruch zeitnah erfolgreich abzuschließen und den Rechtsanspruch in dieser Legislaturperiode des Bundes zu verabschieden. Die Familienorganisationen sehen die Einführung des Rechtsanspruchs auf eine gute Ganztagsbetreuung für Kinder im Grundschulalter durch die stockenden Verhandlungen zwischen Bund und Ländern stark gefährdet. Sollten die durch Partikularinteressen von Landesregierungen oder einem mangelnden Entgegenkommen der Bundesregierung bei der Finanzierung der laufenden Kosten der Ganztagsbetreuung scheitern, würde die Chance vertan werden, diesen notwendigen Baustein der Betreuung flächendeckend für alle Familien in Deutschland aufzubauen. Die Verbände betonen, dass die Familien kein Verständnis dafür hätten, wenn sich Bundesregierung und die Landesregierungen nun nicht über die im Koalitionsvertrag beschlossene Einführung eines Rechtsanspruchs auf Ganztagsbetreuung für Kinder im Grundschulalter einigen könnten. Zugleich weist der Brief auf die Bedeutung des Rechtsanspruchs für mehr Bildungsgerechtigkeit für Kinder aus Familien mit unterschiedlichen Bildungsressourcen und für eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf hin. Daher fordern die Verbände Bundes- und Landesregierungen zum sofortigen Handeln auf: „Bringen Sie ihre Verhandlungen zum Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung mit hoher Qualität für Kinder im Grundschulalter unverzüglich zu einem erfolgreichen Abschluss. Gestalten Sie dabei den Anspruch dauerhaft mit inhaltlichen und finanziellen Rahmenbedingungen, die eine hohe Bildungs-, Erziehungs- und Betreuungs-Qualität gewährleisten.“

Quelle: Pressemitteilung der Arbeitsgemeinschaft der deutschen Familienorganisationen vom 10. Februar 2021

 

8. UBSKM und Initiative „SCHAU HIN! für einen besseren Schutz vor sexuellem Missbrauch im Netz

Für einen besseren Schutz von Kindern und Jugendlichen vor sexuellem Missbrauch im Netz plädieren der Unabhängige Beauftragte für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs (UBSKM), Johannes-Wilhelm Rörig, und die Initiative „SCHAU HIN! Was Dein Kind mit Medien macht.“

Anlässlich des Safer Internet Day (SID) am 9. Februar 2021 erklärte Rörig: „In der digitalen Welt reicht eine freiwillige Selbstverpflichtung der Anbieter allein nicht aus, um Kinder und Jugendliche wirksam vor sexueller Gewalt im Netz zu schützen. Wir brauchen endlich ein neues Jugendschutzgesetz, das auch Interaktionsrisiken in den Fokus nimmt. Damit sollen Anbieter wie Facebook oder Google verpflichtet werden, Kinder und Jugendliche auf ihren Plattformen besser zu schützen. Sie tragen Verantwortung, die verbindlich geregelt sein muss.“ Die Novelle des Jugendmedienschutzgesetzes (JuSchG) befindet sich derzeit im Bundestag in der parlamentarischen Abstimmung.

Vor allem das sogenannte „Cybergrooming“, das gezielte sexualisierte Umgarnen und Manipulieren von Kindern im Internet, hat enorme Ausmaße angenommen. Personen mit pädokriminellen Neigungen melden sich in Chats oder Foren oft unter falschem Namen an und geben sich als gleichaltriges Kind aus. Aus der verständnisvollen Unterhaltung wird dann mehr: Es werden intime Berichte, Fotos oder sogar persönliche Treffen gefordert. Um Kinder und Jugendliche besser zu schützen, sollen Plattformbetreiber auch verpflichtet werden, wirksame Alterskontrollen und Beschwerdesysteme einzurichten.

Laut der Studie „EU Kids online“ des Hans-Bredow-Instituts sind jedes dritte Mädchen und jeder vierte Junge im Alter von neun bis 17 Jahren im Netz bereits mit intimen, anzüglichen Fragen konfrontiert worden. Von 2018 auf 2019 ist die Zahl der Cybergrooming-Fälle in Deutschland, die der Polizei bekannt geworden sind und an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet wurden, um 34 Prozent auf rund 3.300 gestiegen.

Durch die Corona-Quarantäne sei die Gefahr des Cybergroomings noch einmal gestiegen, warnt die europäische Polizeibehörde Europol. Kinder und Jugendliche verbringen aktuell mehr Zeit vor Handys, Konsolen und Computern, durch die soziale Isolation entsteht auch eine höhere Bereitschaft, persönliche Sorgen oder Wünsche über digitale Wege, Chats beispielsweise, mitzuteilen. Das wiederum erhöht die Gefahr sexueller Übergriffe im Netz.

Cybergrooming ist eine Straftat. Nach § 176 StGB ist das Kontaktieren von Kindern unter 14 Jahren mit sexuellen Absichten – durch Informations- oder Kommunikationstechnologie – verboten und wird mit bis zu fünf Jahren Freiheitsstrafe geahndet. Seit 2020 kann auch versuchtes Cybergrooming strafrechtlich verfolgt werden: „Dass der Versuch des Cybergroomings unter Strafe gestellt wurde, war ein wichtiger Schritt. Täter können so effektiver verfolgt werden, wenn sie mit dem Ziel im Netz unterwegs sind, sexuellen Missbrauch anzubahnen“, sagt der Unabhängige Beauftragte. „Strafverfolgung ist allerdings nur eine Seite – wir brauchen für Kinder und Jugendliche auch eine vernünftige Begleitung auf ihrem Weg in die digitale Welt und eine Aufklärung über die dort bestehenden Risiken. Eine Aufklärung, die Perspektiven jenseits von Katastrophenszenarios zeigt und Gefährdungen und Gefahren deutlich macht.“

Eltern und Erziehende können frühzeitig auf Anzeichen für Cybergrooming achten und sollten Kindern und Jugendlichen im Umgang mit sozialen Medien zur Seite stehen. Auch Sicherheitsregeln, wie das Ausschalten der Computer- und Smartphone-Kamera oder die Rücksprache mit den Eltern bei neuen Kontakten, können helfen, das Risiko einer unerwünschten, für das Kind möglicherweise folgenreichen Kontaktaufnahme zu verringern.

Der Unabhängige Beauftragte für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs und die Initiative SCHAU HIN! werden gemeinsam in den kommenden Tagen vor allem in sozialen Netzwerken mit Postings und einem Video über Cybergrooming informieren. SCHAU HIN! hat Cybergrooming auch in einem neuen TV-Spot thematisiert, der Anfang Februar erstmals ausgestrahlt worden ist und das gesamte Jahr 2021 über bei Das Erste und beim ZDF gezeigt wird.

Quelle: Pressemitteilung des Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs vom 9. Februar 2021

 

9. DKHW anlässlich des Safer Internet Day 2021: Launch der Webseite www.schulsache.de

Das Deutsche Kinderhilfswerk appelliert zum heutigen Safer Internet Day an Schulen, Kitas und Eltern, Kinder stärker als bisher für den Umgang mit Risiken und Fake News im Internet zu befähigen. Dafür sollte es aus Sicht der Kinderrechtsorganisationen eine verbindliche Medienbildung in Kindertagesstätten, Schulen und in der Fachkräfteausbildung geben. Die damit einhergehende Förderung der Medienkompetenz von Kindern und Jugendlichen kann diese auch in die Lage versetzen, Medien aktiv selbst zu gestalten und damit eigene Ideen, Vorstellungen und Interessen zum Ausdruck zu bringen.

Passend zum Safer Internet Day launcht das Deutsche Kinderhilfswerk heute die Internetseite www.schulsache.de. Damit bietet das Deutsche Kinderhilfswerk Lehrkräften eine praxisnahe Möglichkeit, Kindern Sicherheit und Orientierung im Umgang mit Medien zu vermitteln und sie dabei zu fördern, Inhalte kritisch zu hinterfragen und sich ihre eigenen Meinungen zu bilden. Schwerpunkt der Seite sind kinderrechtliche Themen, aufbereitet für die Vermittlung in Schule und Hort bis zur 6. Klasse. Lehrerinnen und Lehrer sowie pädagogische Fachkräfte finden auf der Webseite www.schulsache.de zudem die Methodenreihe „Methoden für die Schulpraxis“ sowie Materialien für digitales Lernen, die für das selbständige Arbeiten, zum Beispiel auch im Homeschooling, konzipiert wurden. www.schulsache.de wird gefördert vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

„Fake News, Desinformation und Propaganda im Internet sind auch für Kinder problematisch. Deshalb ist es wichtig, dass sich Kinder möglichst frühzeitig Wissen darüber aneignen, welche Quellen im Netz vertrauens- und glaubwürdig sind, und wo die Unterschiede zwischen Informationen und Meinungen liegen. Insbesondere die Eltern sind hier in der Pflicht, die Mediennutzung ihrer Kinder zu begleiten. Aber auch unser Bildungswesen trägt eine Mitverantwortung, um junge Menschen für Risiken und Falschnachrichten zu sensibilisieren und seriöse Informationsquellen aufzuzeigen“, betont Thomas Krüger, Präsident des Deutschen Kinderhilfswerkes.

„Zugleich müssen aber auch die gesetzlichen Vorgaben für den Kinder- und Jugendmedienschutz nachgeschärft werden. Deshalb begrüßen wir ausdrücklich, dass bei der derzeit im parlamentarischen Verfahren befindlichen Novellierung des Jugendschutzgesetzes die Vorgaben der UN-Kinderrechtskonvention eine zentrale Rolle spielen. Aus Sicht des Deutschen Kinderhilfswerkes sollten Bund und Länder hier die Interessen der Kinder und Eltern in den Mittelpunkt stellen. Da Kinder heutzutage sehr früh mit Medien in Kontakt kommen, braucht es einheitliche, für Eltern und Kinder nachvollziehbare, vor allem aber wirksame Schutz- und Meldeverfahren sowie Angebote zur Aufklärung und Orientierung. Dafür ist es auch wichtig, Anbieter von Medieninhalten, Mediendiensten und Endgeräten stärker in die Verantwortung für einen praktischen Kinder- und Jugendmedienschutz zu nehmen“, so Krüger weiter.

Aus Sicht des Deutschen Kinderhilfswerkes mangelt es auch an einer Verzahnung und dauerhaften Finanzierung der zahlreichen medienpädagogischen Projekte in Deutschland. Diese lassen sich nur schwer ohne öffentliche Mittel durchführen, wenn man sie weder kostenpflichtig anbieten noch durch Werbung finanzieren will. Deshalb schlägt das Deutsche Kinderhilfswerk zum Safer Internet Day 2021 erneut die Gründung einer gemeinsam von Bund und Ländern getragenen Stiftung Medienkompetenz vor, an der auch die Landesmedienanstalten, freie Träger und die Medienwirtschaft beteiligt werden könnten. Ihre Aufgabe sollte in der finanziellen Unterstützung medienpädagogischer Projekte und in der Vernetzung bestehender Ideen und Erfahrungen bestehen. Gleichzeitig könnten durch eine solche Stiftung die Evaluierung und die Begleitforschung von Projekten koordiniert werden.

Quelle: Pressemitteilung des Deutschen Kinderhilfswerks vom 9. Februar 2021

 

10. Stiftung Lesen prüft Apps zur Sprach- und Leseförderung

In Zeiten von Corona zeigt sich die Bedeutung digitaler Förder- und Lernangebote in besonderer Weise. Digitale Anwendungen unterstützen Kinder beim Homeschooling und in ihrer Freizeit. Hier setzt die Stiftung Lesen mit dem Service „Lesen mit App“ für Eltern und Fachkräfte in Kita und Schule an. „Die digitale Bildung in Kitas und Schulen ist in Deutschland noch immer nicht an dem Punkt, an dem sie sein sollte“, sagt Sabine Uehlein, Geschäftsführerin Programme der Stiftung Lesen. „Dabei sind LernApps ideal, um Kinder bei der Sprachentwicklung und dem Lesenlernen zu unterstützen. Wir möchten Fachkräften und Eltern zeigen, welche Apps sich besonders gut eignen und wie sie diese einfach mit Smartphone oder Tablet einsetzen können.“ Die Plattform www.lesenmit.app bietet einen Überblick über das App-Angebot. Ein unabhängiges Prüfgremium sichtet und bewertet sämtliche Anwendungen. Die Einschätzungen der Expertinnen und Experten bieten Fachkräften und Eltern eine Orientierung – denn der App-Markt wächst stetig und wird schnell unübersichtlich. Neben einer Beschreibung finden Nutzerinnen und Nutzer eine ausführliche Einordnung jeder App. Darüber hinaus stehen Fachkräften und Eltern Informationen zur App-Nutzung, zum Einsatz digitaler Medien und viele Erklärfilme, Screencasts und Tipps zur Verfügung. „Lesen mit App“ wird vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert. Mit diesem Prüfservice möchte die Stiftung Lesen einen Beitrag dazu leisten, dass alle Kinder beim Lesenlernen bestmöglich gefördert werden – nicht nur in Zeiten geschlossener Kitas und Schulen.

Quelle: Pressemitteilung der Stiftung Lesen vom 9. Februar 2021

 

11. Bundesverband Kinderhospiz: Verwaiste Familien brauchen freien Zugang zu Trauerbegleitung

Plötzlich hört das kleine Herz auf zu schlagen. Ein Kampf, der niemals fair war, ist endgültig verloren. Und was jetzt? Für die gesetzlichen Krankenkassen endet mit jenem letzten Herzschlag auch die Finanzierung der Arbeit in stationären und ambulanten Kinderhospizeinrichtungen. Dabei brauchen Eltern und Geschwisterkinder gerade dann die Unterstützung derer, die sie vielleicht Wochen oder Monate – manchmal auch Jahre – begleitet haben. Trauerbegleitung muss ausschließlich durch Spenden finanziert werden. Die öffentliche Finanzierung endet aber nicht nur mit dem Todestag des Kindes. Werden Familien begleitet, deren Kinder nicht lebend zur Welt kommen, können gar keine Leistungen abgerechnet werden. „Die Trauerbegleitung ist, egal ob ein Kind vor oder nach der Geburt stirbt, immens wichtig. Trauer darf sich nicht chronifizieren – und das ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe“, sagt Daniel de Vasconcelos, Geschäftsführer des Bundesverbands Kinderhospiz. Wie wichtig transparente und gut zugängliche Hilfsangebote für trauernde Familien sind, zeigen die Erfahrungen einer Mutter. Eine Stunde vor der Geburt hatte sie erfahren, dass das Herz ihres Sohnes nicht mehr schlägt. Und noch Wochen nach der Geburt war sie auf der Suche nach Unterstützung. Eine Psychologin sagte zu ihr, dass nach sechs Wochen doch das meiste verarbeitet sei. Eine andere wies sie ab mit den Worten: „Sie haben kein Krankheitsbild, daher kann ich sie doch nicht betreuen.” „Das Thema lassen Sie bitte daheim. Das ist für Sie und Ihre Kollegen besser. ” – Ein Satz aus der Chefetage. Hilfe fand sie nicht, zuhören wollte niemand. Das machte sie erst sprachlos – und dann wütend.

„Das ist kein Einzelfall. Gerade wenn der Tod schon länger her ist, wird es immer schwieriger, Menschen zu finden, die sich auf die Gefühlswelt der Trauernden einlassen. Besonders in der Arbeitswelt”, sagt Pia Heinreich, Leiterin des digitalen Hilfe-Portals Frag-OSKAR. Eltern suchen in ihrer Trauer die Nähe zu Menschen, denen sie vertrauen. Die ihre Geschichte kennen. Die ihre Hand hielten, wenn es kaum auszuhalten war und die mit ihnen lachten, wenn das Leben es gut mit ihnen meinte. Deswegen setzt sich der Bundesverband für einen freien Zugang zu Trauerbegleitung für Familien ein – wann immer und so lange sie es brauchen. Denn Trauer endet nicht, sie verändert sich – und Menschen in stationären und ambulanten Kinderhospizeinrichtungen hören auch dann noch zu, wenn sonst niemand mehr hinhört.

Quelle: Pressemitteilung des Bundesverbandes Kinderhospiz vom 10. Februar 2021

 

12. World Vision Deutschland: Kindersoldatinnen vielfältig stigmatisiert

Weltweit werden noch immer rund 250.000 Kinder zum Kampf mit der Waffe gezwungen. Darunter sind auch viele weibliche Kindersoldaten. Ihre Reintegration in ein ziviles Leben gestaltet sich als besondere Herausforderung, da sie oft doppelt stigmatisiert sind. Darauf macht die internationale Hilfsorganisation World Vision zum Tag gegen den Einsatz von Kindersoldaten aufmerksam.

Die Kinderhilfsorganisation bietet ehemaligen Kindersoldaten und -Soldatinnen in der DR Kongo und im Südsudan Programme unter dem Namen „Rebound“ an, die ihnen den Start in ein ziviles Leben ermöglichen. Das Projekt im Südsudan begann Anfang 2019, im Kongo läuft „Rebound“ seit zehn Jahren. „Rebound“ hat World Vision zusammen mit Wolfgang Niedecken, dem Sänger der Band BAP, gegründet. Niedecken: „Gerade das besondere Schicksal von Kindersoldatinnen wird oft vergessen. Ich bin selbst Vater von zwei Töchtern und habe bei meinen Besuchen der Rebound Projekte immer wieder festgestellt, wie sehr mich die Geschichten der Mädchen und Frauen erschüttern. Ihnen muss in besonderer Weise geholfen werden.“

Ekkehard Forberg, Friedensexperte bei World Vision erklärt: „Im Kongo haben wir die Erfahrung gemacht, dass Kindersoldatinnen vor besonderen Herausforderungen stehen, wenn sie zurück in ein Leben ohne Krieg und Gewalt wollen.“ Und weiter: „Fast alle der rekrutierten Mädchen und jungen Frauen wurden in ihrer Zeit bei den Milizen vergewaltigt und mussten als Sexsklavinnen dienen. Das stigmatisiert sie in den Augen der Bevölkerung doppelt, als Kämpferinnen und als missbrauchte Frauen.“

In den „Rebound“-Projekten wird in der psychologischen Betreuung deshalb besonders auf Schuldkomplexe und Schamgefühle der Frauen und Mädchen eingegangen. Jede Dritte von ihnen benötigt zudem medizinische Betreuung, da sie während ihrer Zeit bei den Milizen oder als Zwangsprostituierte in den Bordellen des Ostkongo schwanger geworden sind. Damit sie auch als junge Mütter die „Rebound-Programme durchlaufen können, bietet World Vision tagsüber eine Kinderbetreuung an. Die Betreuerinnen – erfahrene Mütter aus der Region – geben den Teilnehmerinnen zudem Ratschläge für die Kindererziehung und Pflege.

Ein weiterer Baustein für die Reintegration von Kindersoldatinnen ist die Unterbringung in Gastfamilien. Viele der ehemaligen Kämpferinnen wurden von ihren Familien verstoßen oder haben ihre Eltern in Kämpfen verloren. Auch die damals 16-jährige Adija hatte keinen Kontakt mehr zu Verwandten, als sie, schwanger und krank, in das „Rebound“-Zentrum im Osten des Kongos flüchtete. „Hier habe ich tatsächlich eine neue Heimat gefunden“, sagt Adija. „Und ich kann bei „Rebound“ eine Ausbildung zur Schneiderin machen.“

Neben der psychologischen Hilfe sind schulische und berufliche Ausbildungen Schwerpunkte des „Rebound“-Projektes. Bislang konnten rund 2.000 Kinder und Jugendliche in den Projekten ausgebildet werden, in Berufen, die in der Region gefragt und mit wenig finanziellen Mitteln umsetzbar sind. Ekkehard Forberg: „Als berufstätige Mitglieder der Gemeinschaft erfahren die Absolventinnen dann auch Anerkennung und Respekt in ihrem Umfeld. Das hilft, Stigmatisierungen abzubauen und es verändert auch das traditionelle Rollenverständnis in der Region.“

So ergreifen immer mehr der Absolventen und Absolventinnen für sie untypische Berufe. Unter den Teilnehmenden des aktuellen Jahrgangs befinden sich zum Beispiel kommende Motorradmechanikerinnen und sieben Friseure.

Quelle: Pressemitteilung von World Vision Deutschland vom 11. Februar 2021

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Kontakt:
Deutsche Liga für Kind

Deutsche Liga für das Kind
Charlottenstr. 65, 10117 Berlin

post@liga-kind.de

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Kindergarten plus Newsletter Nr. 1/2021 vom 7. Januar 2021

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Wir wünschen allen Leser*innen
ein gesundes, glückliches und erfolgreiches neues Jahr!
Das Kindergarten plus-Team

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1. Rückblick und Ausblick
2. Kindergarten plus-Zertifikate verliehen
3.
Neues Kindergarten plus-Faltblatt erhältlich
4.
Erste Online-Seminare 2021 können gebucht werden
5.
Material-Sonderaktion wird fortgesetzt

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1. Rückblick und Ausblick

Der Rückblick auf das letzte Jahr zeigt, trotz Lock-Downs am Anfang des Jahres und weiteren Einschränkungen gegen Jahresende hat das Kindergarten plus-Team gemeinsam mit den teilnehmenden Kitas viel geschafft. Über 60 Einrichtungen wurden neu geschult.10.000 Kinder konnten 2020 mit den Handpuppen Tula und Tim wichtige Erfahrungen sammeln und Entdeckungen im „Land der Gefühle“ machen. Bei Kindergarten plus kamen im Jahr 2020 auch neue Aufgaben dazu: die Konzeption und Durchführung der ersten Online-Seminare und die Durchführung des Piloten Kindergarten plus START. Ganz neu war ab April 2020 auch, dass erstmalig ausgewählte Materialien von allen interessierten Kitas und Eltern bestellt werden konnten. Diese Öffnung war ein Ergebnis des fachlichen Austauschs mit Kitas und Dozent*innen im Projekt. Wir hatten gefragt: Was brauchen Kinder und Familien in den Zeiten sozialer Distanziertheit? Die mehrheitliche Antwort war: niedrigschwelliges, ansprechendes Material, mit dem das Thema Gefühle ins Spiel gebracht werden kann. 2021 werden diese wichtigen Neuerungen weiterverfolgt. Insbesondere das Online-Seminarwesen wird im 1. Halbjahr eine wichtige Rolle spielen. Der direkte Kontakt mit den Kindertageseinrichtungen und die Planung von Präsenzseminaren ab dem 2. Quartal 2021 bleiben dabei weiterhin von besonderer Bedeutung.

 

2. Kindergarten plus-Zertifikate verliehen

Vor Weihnachten konnten acht Zertifikate verliehen werden. Drei Zertifikate gingen nach Wien/Österreich. Zwei Einrichtungen der St. Nikolaus Stiftung, der Pfarrkindergarten Maria Loretto und der Kindergarten Maurer Lange Gasse haben sich qualifiziert. Ein Zertifikat erhielt der Kindergarten Keltengasse der Wiener Kinderfreunde. Die weiteren Urkunden gingen in Deutschland an die Kindertageseinrichtung Himmelszelt in Siegen, die Kindertagesstätte Großrudestedt, den Katholischen Kindergarten St. Christophorus in Mengen-Ennetach, die AWO Kita Kamp-Lintfort sowie die Kindertagesstätte Wirbelwind in Essenheim. Kindergarten plus Team gratuliert den Kitas und wünscht allen weiterhin viel Spaß mit Tula und Tim!

Das Zertifikat Kindergarten plus kann erreicht werden, wenn eine Einrichtung, die mit den Materialien arbeitet, den Fragenbogen Kindergarten plus einschickt. Der Fragenbogen Kindergarten plus kann online bestellt werden (Print-Ausgabe) und ist auf Anfrage auch per E-Mail an info(a)kindergartenplus.de zu erhalten.

 

3. Neues Kindergarten plus-Faltblatt erhältlich

Das neue Kindergarten plus-Faltblatt entstand in Zusammenarbeit mit P&S Grafik aus Berlin. Es ist seit Oktober 2020 erhältlich. In dem neuen Kindergarten plus-Faltblatt werden die wichtigsten Informationen zum Programm präsentiert. Auch der neue Programmbereich Kindergarten plus START für die alltagsintegrierte Förderung jüngerer Kinder wird dargestellt. Neu sind auch die ansprechend und liebevoll gestalteten farbigen Illustrationen von Celine Simoncelli, in denen ein besonderer Wert auf die Darstellung von Vielfalt gelegt wird. Das Faltblatt ist im Print- und im Webformat erhältlich.

 

4. Erste Online-Seminare 2021 können gebucht werden

Im November 2020 nahmen gut 50 pädagogische Fachkräfte an den ersten Kindergarten plus Online-Seminaren teil. Das Feedback der Teilnehmenden war ohne Einschränkung positiv. Insbesondere die persönliche Ansprache, der gemeinsame Austausch und der Spaß während des Veranstaltungstages hervorgehoben. Die Teilnehmenden fühlten sich gut auf die Durchführung des Programms vorbreitet, konnten erfolgreich ihre Erfahrungen austauschen und neue Ideen sammeln.

Auch im Jahr 2021 besteht wieder die Möglichkeit, an ein Online-Seminaren teilzunehmen. Neben den beiden Tagen der Basisfortbildung für das Projekt mir vier- und fünfjährigen Kindern wird auch der Einführungstag in den neuen Programmbereich Kindergarten plus START angeboten. Kindergarten plus START hat die alltagsintegrierte Förderung zwei- und dreijähriger Kinder zu Ziel.

Kindergarten plus Online-Seminare werden ausschließlich im Live-Format angeboten. Die Seminare werden von Stella Valentien, Diplom-Kleinkindpädagogin und Leiterin des Aufgabenbereichs Kindergarten plus gestaltet. Neben kurzen Theorie-Impulsen bestehen in den Seminaren zahlreiche Möglichkeiten, selbst tätig zu werden, sich in Kleingruppen auszutauschen, Beobachtungskompetenzen zu schärfen, die Methoden und Materialien von Kindergarten plus kennenzulernen und eigene Erfahrung zu reflektieren. Die Kosten betragen je Seminartag 90 Euro. Ein Seminarskript ist in den Kosten enthalten.

Alle Seminare können auf der Website www.kindergartenplus.de/shop-seminare  gebucht werden.

Termine im ersten Quartal 2021 sind:

  • Basisfortbildung Teil 1 (Einführungstag in das Projekt für Vier- und Fünfjährige) am 25. Februar,
  • Basisfortbildung Teil 2 (Reflexion der Durchführung und Vertiefungsmodul) am 2. März,
  • Einführungstag Kindergarten plus START am 18. Februar.

Weitere Termine werden in Folge auf der Website veröffentlicht.

Neben einen internetfähigen PC, Laptop oder Tablet und einem Internetzugang mit ausreichendem Datentransfer werden für die Teilnahme eine Webcam sowie Mikrofon und Lautsprecher (entweder im Gerät integriert oder extern z.B. als Headset) benötigt. Spezielle Computerkenntnisse sind nicht notwendig. Es muss keine zusätzliche Software oder App installiert werden.

 

5. Material-Sonderaktion wird fortgesetzt

Im Frühjahr 2020 stellte Kindergarten plus erstmalig ausgewählte Materialien allen interessierten Kitas und Eltern zur Verfügung. Dies geschah im Rahmen einer Sonderaktion, um praktische Ideen für den beziehungsorientierten Austausch zwischen Eltern und Kita und innerhalb der Familien zugänglich zu machen. Das Angebot kam sehr gut an und wird auch im Jahr 2021 fortgesetzt. Zu den Materialien gehören:

  • Das Kniebuch Tula und Tim im Land der Gefühle. Mit Gesprächs- und Bewegungsideen und Platz für kreative, individuelle Lösungen (DIN A3)
  • Das Spielmaterial-Set für die emotions- und beziehungsorientierte Kommunikation zwischen Eltern und Kindern. Bestehend aus Türhänger, Legekarten, Stimmungsbarometer, Gefühls-Rahmen (DIN A4, 8 Seiten)
  • Das Gefühlsgesichter-Plakat (inkl. Spiegelfolie, DIN A2)
  • Das Liederheft Tula und Tim und andere Kinderlieder mit Spiel- und Bewegungsideen, Texten, Noten und Akkordsymbolen (DIN A5, 22 Seiten).

Alle Materialien können auf der Website www.kindergartenplus.de/shop-seminare bestellt werden.

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Kontakt:

Stella Valentien
Deutsche Liga für das Kind
Charlottenstr. 65, 10117 Berlin

info@kindergartenplus.de
www.kindergartenplus.de