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Unser ca. wöchentlich erscheinender Newsletter enthält Nachrichten rund um die Themen Kind, Familie, Gesellschaft und Politik.

Newsletter Nr. 12/2020 vom 17. Juli 2020

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1. Neue Ausgabe frühe Kindheit: Junge Kinder in Deutschland: Frühe Belastungen und Frühe Hilfen
2.
Sommeraktion im Online-Shop der Liga
3.
Drogenbeauftragte Ludwig übernimmt Schirmherrschaft für Präventionsprogramme der Lions Clubs
4.
Deutscher Verein für öffentliche und private Fürsorge: Familienzentren stärken
5.
Familienentlastungsgesetz: Sozial unausgewogen und gleichstellungspolitisch verfehlt
6.
Bundesregierung legt Sonderprogramm für soziale Infrastruktur durch Darlehen und Zuschüsse auf
7.
Deutscher Kitaverband: 100.000 Erzieher*innen fehlen
8.
Mit Schnupfennase auf unbestimmte Zeit zuhause
9.
SOS Kinderdörfer: „Stopp!“ – Wie Eltern ihre Kinder gegen Rassismus stärken können

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1. Neue Ausgabe frühe Kindheit: Junge Kinder in Deutschland: Frühe Belastungen und Frühe Hilfen

Zu dem Thema „Junge Kinder in Deutschland: Frühe Belastungen und Frühe Hilfen“ ist ab sofort die neue Ausgabe der Zeitschrift „frühe Kindheit“ erhältlich. Das Heft enthält u.a. folgende Artikel: Belastungen von Anfang an (Ulrike Lux, Johanna Löchner und Christoph Liel, München); Die Qualitätsdialoge Frühe Hilfen (Stephanie Bremstahler, Till Hoffmann und Jana Marscheider, Köln); Interview mit Mechthild Paul, Leiterin des Nationalen Zentrums Frühe Hilfen (NZFH): „Handlungsleitende Maxime in den Frühen Hilfen ist, dass wir von den Bedarfen unserer Zielgruppen ausgehen und sie in Entscheidungen partizipativ einbeziehen“; Flexibel oder starr? Forschung zur Konstruktion von Geschlecht und Differenz in der Kita revisited (Ute Schaich, Frankfurt am Main); Wie Bewegungsförderung in Kitas mit Organisationsentwicklung gelingen kann – der QueB-Ansatz (Ines Eisenbarth, Günther Gediga, Verena Popp und Ulrike Ungerer-Röhrich, Bayreuth); Streitgespräch: Die Bindungstheorie in der Frühpädagogik (Lieselotte Ahnert, Berlin, und Heidi Keller, Osnabrück) sowie folgende Praxisartikel: Mit dem Blauen Beutel – Gefühlen und Sprache Raum geben, Anmeldung zu Kindergarten plus START für zwei- und dreijährige Kinder jetzt möglich (Stella Valentien, Berlin); Patenschaftskoordination in den Frühen Hilfen – eine anspruchsvolle Aufgabe für Fachkräfte (Petra Kleinz, Dortmund); Bündnis gegen Schütteltrauma: gemeinsam Familien erreichen.

Das Heft kann zum Preis von 6,- Euro (zzgl. Versandkosten) bestellt werden unter: www.fruehe-kindheit-online.de oder über die Deutsche Liga für das Kind, Charlottenstr. 65, 10117 Berlin, E-Mail: post@liga-kind.de
Quelle: Information der Deutschen Liga für das Kind vom 15.Juli 2020

 

2. Sommeraktion im Online-Shop der Liga

Ab sofort können alle lieferbaren Ausgaben der Zeitschrift „frühe Kindheit“ (bis einschließlich 2018) zu einem reduzierten Preis von 3,50 Euro (zzgl. Versandkosten) erworben werden: www.fruehe-kindheit-online.de

Nur solange der Vorrat reicht.

Quelle: Information der Deutschen Liga für das Kind vom 15. Juli 2020

 

3. Drogenbeauftragte Ludwig übernimmt Schirmherrschaft für Präventionsprogramme der Lions

Die Jugendförderung ist ein Schwerpunkt des Engagements der Lions Clubs in Deutschland. Junge Menschen werden darin unterstützt, sich zu gesunden und selbstbewussten Persönlichkeiten zu entwickeln, die sich für die Gemeinschaft engagieren. Im Fokus steht dabei die Förderung von Lebenskompetenzen. Damit sollen auch Drogenkonsum, Sucht und anderem Problemverhalten vorgebeugt werden.

Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Daniela Ludwig, begrüßt das Engagement: „Mit den gezielten Programmen für die verschiedenen Altersstufen leisten die Lions in Deutschland einen wertvollen Beitrag zum gesunden Großwerden – vom Projekt für den Kindergarten bis zur Vorbereitung von Jugendlichen auf ihre Zukunft! Als Drogenbeauftragte der Bundesregierung ist es mir sehr wichtig, dass Kinder in unserer Gesellschaft zu starken und vor allem gesunden Persönlichkeiten heranwachsen können.“

Mit einem Kooperationsverbund erprobter Programme haben die Lions Clubs ihre eigene Präventionskette geschaffen, die vom Kindergarten bis ins junge Erwachsenenalter reicht:

  • Kindergarten plus, fördert die Persönlichkeitsbildung, insbesondere sozial-emotionale Kompetenzen von Kindern in Kindertageseinrichtungen
  • Klasse2000 stärkt Gesundheits- und Lebenskompetenzen in der Grundschule
  • Lions-Quest unterstützt die Entwicklung von persönlichen, sozialen und interkulturellen Kompetenzen in der Sekundarstufe
  • er Lions-Jugendaustausch ermöglicht die Erprobung und Weiterentwicklung persönlicher und interkultureller Kompetenzen

Die Programme sind fachlich fundiert, praktisch erprobt und wissenschaftlich überprüft. Sie erreichen jedes Jahr viele hunderttausend junge Menschen, bundesweit. Das ist möglich, weil sich neben den Lions Clubs viele weitere Menschen und Organisationen für die Jugendprogramme einsetzen, von Privatpersonen über Stiftungen und Vereine bis hin zu Firmen und Krankenkassen.

Wolfgang Tiersch, Vorsitzender des Governorrats der deutschen Lions hofft, dass diese breite gesellschaftliche Unterstützung noch stärker wird: „Für uns Lions sind die Jugendprogramme das größte Langzeitprojekt, das wir in Deutschland durchführen. Wir wünschen uns, dass es weiterwächst, denn gerade jetzt ist die Förderung der jungen Menschen besonders wichtig. Wir hoffen, dass noch mehr Förderer die Programme unterstützen und sind der Drogenbeauftragten, Daniela Ludwig, sehr dankbar, dass sie sich mit uns hierfür einsetzt.“

Lions Clubs International ist eine weltweite Service-Organisation, deren Mitglieder sich ehrenamtlich für die Lösung gesellschaftlicher Probleme einsetzen. Lions Deutschland ist mit seinen rund 1.580 Clubs und mehr als 52.000 Mitgliedern im Multi-Distrikt 111 der Internationalen Vereinigung zusammengeschlossen. Infos: www.lions.de

  • Kindergarten plus ist ein Bildungs- und Präventionsprogramm zur Förderung sozial-emotionaler Kompetenzen von Kindern in Kindertageseinrichtungen. Alltagsintegriert (2- und 3 -Jährige), Projektform (4- und 5-Jährige). Träger: Deutsche Liga für das Kind e.V.; Infos: kindergartenplus.de
  • Klasse2000 ist ein Programm zur Gesundheitsförderung, Gewalt- und Suchtvorbeugung für die 1. – 4. Klasse Grundschule. Träger: Verein Programm Klasse2000 e.V.; Infos: klasse2000.de
  • Lions-Quest ist ein effektives Lebenskompetenz- und Präventions-Programm zur Förderung der Persönlichkeitsentwicklung von Schülerinnen und Schülern der Jahrgangsstufen 5 bis 13. Träger: Lions Deutschland – Stiftung der Deutschen Lions (SDL);

Infos: www.lions-quest.de

Der Internationale Lions-Jugendaustausch ist ein Programm, das Jugendlichen zwischen 16 und 21 Jahren mit internationalen Jugendbegegnungen und Familienaufenthalten weltweit, interkulturelle Lernerfahrungen zur Förderung der Völkerverständigung, der Toleranz und des Friedens bietet. Träger: Lions Deutschland – Stiftung der Deutschen Lions; Infos: www.lions-youthexchange.de

Quelle: Pressemitteilung der Drogenbeauftragten der Bundesregierung vom 13. Juli 2020

 

4. Deutscher Verein für öffentliche und private Fürsorge: Familienzentren stärken

Familienzentren in ihrer Vielfalt und Pluralität sind bundesweit eine wichtige Form der Familienförderung. Der Deutsche Verein für öffentliche und private Fürsorge e.V. will mit seinen aktuellen Empfehlungen die erfolgreiche Arbeit von Familienzentren stärken. Dazu braucht es weiterentwickelte strukturelle Rahmenbedingungen.

Nach Ansicht des Deutschen Vereins für öffentliche und private Fürsorge e.V. müssen Familienzentren durch eine langfristige und planbare Finanzierungsgrundlage gestärkt werden. Außerdem sind durch Fort- und Weiterbildung qualifizierte Fachkräfte und eine räumliche Ausstattung nötig, die die Arbeit mit Kindern und ihren Familien erst möglich macht. Damit Familienzentren auch wirklich alle Familien erreichen können, gilt es im Sozialraum orientierte Angebote zu konzipieren und umzusetzen, die dem Bedarf der Familien entsprechen. „Für Eltern wird es zunehmend anstrengender – gerade in dieser besonderen Zeit –, den wachsenden Anforderungen an ihre Erziehungsleistung gerecht zu werden. Dabei müssen sie gleichzeitig die Balance zwischen Familie und Beruf herstellen. Wir brauchen daher niedrigschwellige und für alle Familien zugängliche, unterstützende und bildungsförderliche Angebote und Leistungen. Ziel muss es sein, einen lokalen und alltagspraktischen Mehrwert für Familien zu schaffen, um sie beim ‚Doing Family‘ zu unterstützen“, sagt Michael Löher, Vorstand des Deutschen Vereins für öffentliche und private Fürsorge e.V.

Die Empfehlungen sind abrufbar unter https://www.deutscher-verein.de/de/uploads/empfehlungen-stellungnahmen/2020/dv-28-18_staerkung-familienzentren.pdf

Quelle: Pressemitteilung des Deutschen Vereins vom 12. Juli 2020

 

5. Familienentlastungsgesetz: Sozial unausgewogen und gleichstellungspolitisch verfehlt

Das Bundesfinanzministerium hat am 30. Juni 2020 den Gesetzentwurf für das Zweite Familienentlastungsgesetz vorgelegt. Die geplanten Maßnahmen sollen in erster Linie Leistungen zugunsten von Familien verbessern und die mit steigenden Preisen verbundenen höheren Existenzminima steuerpflichtiger Personen und ihrer Kinder berücksichtigen. Dazu soll – wie bereits im Koalitionsvertrag vorgesehen –das Kindergeld ab 2021 um 15 Euro pro Kind und Monat erhöht werden. Die steuerlichen Kinderfreibeträge sollen entsprechend angepasst werden.

In seiner heute vorgelegten Stellungnahme zu diesem Entwurf begrüßt der Deutsche Juristinnenbund e.V. (djb) die Anhebung des Kindergeldes, kritisiert jedoch die Anhebung und Ausgestaltung der steuerlichen Kinderfreibeträge. „Trotz der erheblichen Erhöhung des Kindergeldes ist der Gesetzentwurf sozial unausgewogen. Die vermutlich weit über das Existenzminimum hinausgehende Anhebung der Kinderfreibeträge nützt nur Familien mit einem zu versteuernden Einkommen ab 69.000 Euro. Bei Eltern, die Sozialleistungen beziehen, wird die Erhöhung des Kindergeldes angerechnet“, kritisiert die Präsidentin des djb, Prof. Dr. Maria Wersig. „Mit der Anhebung des Freibetrags für die Betreuung, Erziehung und Ausbildung eines Kindes werden zudem die in unserem Steuer- und Sozialsystem ohnehin angelegten Erwerbshürden für Frauen weiter verstärkt. Angesichts der sozialen und geschlechtsbezogenen Auswirkungen der Covid19-Krise sind derartige Maßnahmen nicht zu begründen.“

Der Gesetzentwurf zeigt deutlich, dass die Auswirkungen auf die Gleichstellung von Frauen und Männern nicht angemessen geprüft werden. Der Freibetrag für die Betreuung, Erziehung und Ausbildung wird seit seiner Einführung im Jahr 2002 als Verstoß gegen Art. 3 Abs. 2 GG kritisiert. In den Ausführungen der Begründung des Gesetzentwurfs zu den Auswirkungen der Maßnahmen für Frauen und Männer findet sich dazu kein Wort.

Nicht zuletzt fehlt es in dem Gesetzentwurf – trotz der Verpflichtung nach § 2 der Gemeinsamen Geschäftsordnung der Bundesregierung (GGO) – an einer geschlechtergerechten Sprache. Das Bundesverfassungsgericht hat erst kürzlich auf die besondere Bedeutung der Gesetzessprache verwiesen. Die Gesetzgebung muss daher endlich ihre eigenen Pflichten erfüllen.

Ausführliche Stellungnahme vom 13. Juli 2020: https://www.djb.de/verein/Kom-u-AS/K4/st20-21/

Quelle: Pressemitteilung des Deutschen Juristinnenbundes (djb) vom 13. Juli 2020

 

6. Sonderprogramm für soziale Infrastruktur durch Darlehen und Zuschüsse

Um die aktuelle Krise durch die COVID-19-Pandemie zu meistern, ist es von großer Bedeutung, neben den wichtigen Unterstützungsmaßnahmen für die Wirtschaft auch in den Erhalt der sozialen Infrastruktur für Familien, Kinder, Jugendliche und soziale Zwecke zu investieren. Gemeinsam mit Ländern und Kommunen hat die Bundesregierung gezielte, eng verzahnte Maßnahmen für Organisationen und Einrichtungen auf den Weg gebracht, um Solidarität und Zusammenhalt in der Gesellschaft zu sichern und aufrechterhalten.

Bundesministerin Dr. Franziska Giffey: „Wir haben in Deutschland eine teilweise über 100 Jahre gewachsene vielfältige Landschaft aus Einrichtungen für Familien, für Kinder und Jugendliche, für Hilfsbedürftige und für Senioren. Diese gilt es zu erhalten und so zu unterstützen, dass sie gut durch die Krise kommen. Gerade jetzt brauchen wir die gemeinnützigen Organisationen, die mit ihren vielen Ehren- und Hauptamtlichen jeden Tag unermüdliche Arbeit leisten und die sozialen Auswirkungen der COVID-19-Pandemie abfedern. Ohne sie wären viele Unterstützungsleistungen für einsame Menschen, für bedürftige Familien, für Kinder, Jugendliche und ältere Menschen in der derzeitigen schwierigen Lage kaum möglich. Jetzt brauchen auch die gemeinnützigen Organisationen und Einrichtungen unsere Hilfe, damit es für sie weitergehen kann.“

Die Hilfsmaßnahmen für gemeinnützige Organisationen ruhen auf drei Säulen: Der Unterstützung als Darlehen, Unterstützung als Zuschüsse im Rahmen der Überbrückungshilfen und im Rahmen der Strukturstärkung durch ein Sonderprogramm für die Kinder- und Jugendhilfe.

Mit dem KfW-Sonderkreditprogramm werden Bundesmittel bereitgestellt, um die Länder in deren Maßnahmen zur Stabilisierung gemeinnütziger Organisationen effektiv und schnell zu unterstützen. Der Bund stellt hierfür eine Milliarde Euro bereit.

Mit den Überbrückungshilfen, die die Bundesregierung am 12. Juni beschlossen hat, können viele Einbußen aufgefangen werden. Jugendherbergen, Schullandheime oder Träger von Jugendeinrichtungen oder der Behindertenhilfe können seit Anfang Juli die Gelder für die Monate Juni bis Augst ausgezahlt bekommen. Mit zusätzlichen Mitteln aus dem Nachtragshaushalt wird das Bundesfamilienministerium ab September ein Anschlussprogramm in Höhe von 100 Millionen Euro starten.

„Mit den eng aufeinander abgestimmten Maßnahmen spannen wir ein Unterstützungsnetz, das es den betroffenen Einrichtungen und Organisationen erlaubt, ihre Arbeit trotz der schwierigen Umstände fortzuführen. Wir stellen sicher, dass sie sich weiter kümmern, helfen, schützen und fördern können, wo immer es in unserem Land nötig ist. Damit stärken wir in der aktuellen Ausnahmesituation unsere Zivilgesellschaft, unseren gesellschaftlichen Zusammenhalt und schlussendlich unser Land“, so Bundesfamilienministerin Giffey.

Quelle: Pressemitteilung des Bundesfamilienministeriums vom 9. Juli 2020

 

7. Deutscher Kitaverband: 100.000 Erzieher*innen fehlen

Fachkräftealarm im Kita-System: Bundesweit fehlen über 100.000 Erzieher*innen. Durch die Corona-Pandemie hat sich das Fachkräfte-Problem weiter zugespitzt: Viele Erzieher*innen, die zur Risikogruppe gehören, können derzeit nicht arbeiten. Der eklatante Fachkräftemangel ist einer Träger-Befragung des Deutschen Kitaverbands zufolge die derzeit dringendste Herausforderung im Bereich der Kinder- und Jugendhilfe. Denn die Auswirkungen sind für alle Beteiligten deutlich spürbar: Träger können den Familien nicht ausreichend Kita-Plätze zur Verfügung stellen. Die vorhandene Kita-Teams arbeiten an der Belastungsgrenze. Es kommt zu Beeinträchtigungen der Kita-Qualität.

Die Arbeitsgruppe „Fachkräfte“ im Deutschen Kitaverband legt nun ein Positionspapier vor, in dem sie ein Maßnahmenpaket zur Bekämpfung des Fachkräftemangels zur Diskussion stellt. Vor allem die Umsetzung dieser Vorschläge könnten dem seit langem bekannten Problem die Spitze nehmen.

Multidisziplinäre Teams: Die Deutsche Kitaverband fordert für die Träger mehr Spielraum bei der Stellenbesetzung. „Kita-Teams müssen vielfältiger werden“, sagt die Bundesvorsitzende des Deutschen Kitaverbands Waltraud Weegmann. Sie möchte in Zukunft zum Beispiel mehr pädagogisch weitergebildete Direkteinsteiger*innen aus anderen Berufsfeldern in Kitas beschäftigen. Das habe den pädagogischen Vorteil, dass sie die Themenvielfalt der Gesellschaft in die Kitas trügen und den Kindern zusätzliche Wissensgebiete erschlössen. „Gleichzeitig erweitert das unsere Möglichkeiten bei der Personalsuche“, sagt Weegmann, die sich vorstellen könnte, zehn Prozent der Stellen in einer Kita auf diese Weise zu besetzen. Gleichzeitig fordert sie mehr Akademiker*innen in der Kindertagesbetreuung. „Bislang können wir sie nicht entsprechend ihrer Qualifikation bezahlen, dadurch wandern studierte Kindheitspädagog*innen in andere Tätigkeitsfelder ab. Das sollten wir künftig verhindern“, sagt sie. Zu einem multifunktionalen Team gehören für den Deutschen Kitaverband darüber hinaus kaufmännische Kräfte. „Heute erledigen Erzieher*innen auch die Verwaltungsaufgaben mit. Davon sollten wir sie entlasten“, fordert die Bundesvorsitzende.

Duales Ausbildungssystem: In den meisten Bundesländern steht für angehende Erzieher*innen zunächst einmal vor allem schulisches Lernen auf dem Programm. Der doppelte Nachteil: Es fehlt die Möglichkeit, die gelernten Inhalte gleich praktisch zu erproben. Außerdem verdienen die Fachschüler*innen in dieser Phase noch kein Geld. Eine praxisintegrierte Ausbildung (PIA) nach dem Vorbild anderer dualer Ausbildungsgänge trüge dazu bei, die Erzieher*innenausbildung attraktiver zu machen und so mehr neue Kräfte zu gewinnen.

Anerkennung von Fachkräften: Ein weiterer Vorschlag des Deutschen Kitaverbands bezieht sich auf eine schnellere und unbürokratischere Anerkennung von inländischen sowie ausländischen Fachkräften. Dazu sollten die Voraussetzungen bundesweit vereinheitlich werden und die Überprüfung durch die Träger selbst erfolgen. „Fachkräfte, die in einem Bundesland anerkannt sind, müssten in Zukunft ohne Nachprüfung auch in allen anderen Bundesländern anerkannt sein“, erklärt Weegmann. Eine ähnliche Vereinfachung kann sich der Verband auch für pädagogische Kräfte vorstellen, die im EU-Ausland eine Berechtigung zur Arbeit als Fachkraft in der Kindertagesbetreuung erwarben. „Für alle anderen fordern wir: Ein Antrag auf Anerkennung müsste innerhalb von vier Wochen bearbeitet sein“, sagt die Vorsitzende, die sich darauf freut, diese und weitere Vorschläge ihres Verbands mit politischen Entscheidungsträger*innen zu diskutieren.

Mehr Informationen: Die ausführlichen Positionspapiere „Fachkräftemangel wirksam bekämpfen“ sowie „Direkteinstieg ermöglichen – Spezialist*innen in Kitas fördern“ auf der Website des Deutschen Kitaverbands www.deutscher-kitaverband.de.

Quelle: Pressemitteilung des Deutschen Kitaverbandes vom 13. Juli 2020

 

 8. Mit Schnupfennase auf unbestimmte Zeit zuhause

Einmal laut geräuspert? Laufende Nase? Nach monatelanger Corona Zwangspause für viele Kinder haben die Kitas in den letzten Wochen in den meisten Bundesländern wieder für alle Kinder geöffnet und auch Grundschüler:innen haben zumindest teilweise wieder Präsenzunterricht an den Schulen. Allerdings kann jetzt schon ein kurzes Niesen oder leicht erhöhte Temperatur nach dem Mittagsschlaf dazu führen, dass Kinder wieder nach Hause geschickt werden.

„Kinder dürfen generell nicht betreut werden, wenn sie Krankheitssymptome aufweisen. Die Art und Ausprägung der Krankheitssymptome sind dabei unerheblich“, so heißt es in der „Handreichung für die Kindertagesbetreuung im eingeschränkten Regelbetrieb“ in NRW. „Kinder, die beispielsweise auch nur geringfügige Erkältungssymptome haben, dürfen ihre Kita nicht betreten“, lautet eine Elterninformation des Bayrischen Staatsministeriums für Familie, Arbeit und Soziales. In Hamburg ist von Kindern bzw. Schüler:innen „mit Symptomen einer akuten Atemwegserkrankung“ die Rede, während im Rahmenhygieneplan für Schulen in Berlin neben dem Fernbleiben der Schule bei „Atemwegserkrankung“ auch empfohlen wird: „Bei akuten Symptomen (Fieber, Husten, Kurzatmigkeit, Abgeschlagenheit/Müdigkeit, Kopf- und Gliederschmerzen, Schnupfen, Halsschmerzen) und/oder Verlust der Riech- und Geschmacksfunktion sollte ein COVID-19-Test durchgeführt werden.“ Derweil will Thüringen ab kommender Woche den Passus „allgemeine Erkältungssymptome“ aus der Verordnung streichen. Nicht nur die Bundesländer definieren die relevanten Symptome für einen möglichen Verdacht auf eine COVID-19 Erkrankung völlig unterschiedlich, auch die einzelnen Träger definieren relevante Symptome verschieden. Besonders umstritten ist, Schnupfen als COVID-19 Symptom zu zählen.

Der Virologe Alexander Kekulé äußert sich dazu diese Woche in seinem Podcast „Kekulés Corona Kompass“ (Folge 78): „Weltweit gilt der klassische Schnupfen mit der laufenden Nase nicht als COVID-19 Symptom, nur in Deutschland gibt‘s so einen kleinen Streit, ob das jetzt ein Symptom ist oder nicht. Nach meiner Auffassung ist der klassische Schnupfen, so wie er einem bei einem Kind begegnet, ohne weitere Symptome kein typisches COVID-19 Symptom.“ Kekulé weiter: „Das wird das Hauptproblem im Herbst sein. Wir können es uns nicht leisten, dass die halbe Bevölkerung zu Hause ist, um auf Kinder aufzupassen, die nur Schnupfen oder Kopfschmerzen haben. Diese Differenzierung wird das Entscheidende sein und natürlich auch die Frage, was bringen Tests in so einem Zusammenhang.“ Nicht nur die Kriterien, wann Kinder zuhause bleiben sollen, sind teils irrwitzig. Auch die Frage nach der Dauer und der Rückkehr ist überall anders und teils nicht geregelt: 48 oder 72 Stunden Symptomfreiheit, eine negative Testung, sogar 14-tägige „Quarantäne“ oder eine ärztliche Bestätigung verlangen Kitas oder Schulen, bevor Kinder wieder in die Einrichtungen dürfen. In der letzten Elterninformation aus Bayern heißt es sogar: „Auch ein ärztliches Attest, das ein Kind als gesund ausweist, muss nicht akzeptiert werden, wenn ein Kind noch Symptome hat und diese nicht in Verbindung mit einer chronischen Erkrankung stehen.“ Die völlig praxisfernen Regelungen in Kombination mit fehlender Absprache der Abläufe zwischen Politik, Trägern, Kinderärzt:innen und Gesundheitsämtern werden dazu führen, dass ein Großteil der Kinder – und mit ihnen zahlreiche Eltern – sowie ebenso Pädagog:innen insbesondere in der klassischen Erkältungszeit im Herbst und Winter perspektivlos zuhause sitzen und dass Kinderarztpraxen überschwemmt werden von Anfragen.

Quelle: Pressemitteilung der bundesweiten Elterninitiative „Kinder brauchen Kinder“ vom 9. Juli 2020

 

9. SOS Kinderdörfer: „Stopp!“ – Wie Eltern ihre Kinder gegen Rassismus stärken können

Rassismus ist auch in Deutschland ein Thema, das machen nicht nur die anhaltenden Proteste deutlich: Laut einer EU-Studie haben 48 Prozent aller in Deutschland lebenden Schwarzen innerhalb von fünf Jahren Rassismus erfahren. „Schon Kinder erleben Ausgrenzung und Diskriminierung. Aber ihre Eltern können sie stärken“, sagt Teresa Ngigi, Psychologin der SOS-Kinderdörfer weltweit. Doch wie können Eltern ihre Kinder vorbereiten? Wie sprechen sie mit ihnen über das Thema? Und wie können sie ihre Kinder am besten unterstützen? Ngigi hat die wichtigsten Tipps zusammengestellt. Die SOS-Psychologin weiß, wovon sie spricht: Als Kenianerin, die mit ihrer Familie in Italien lebt, hat sie selbst Erfahrungen mit Rassismus gemacht.

Gut informiert sein und die Dynamik von Rassismus verstehen: Bevor Eltern mit ihren Kindern sprechen, sollten sie überprüfen: Verstehe ich selbst die Dynamiken, die rassistische Äußerungen auslösen? „Wenn ein Kind wiederholt Mobbing erfährt, reagiert es typischerweise entweder mit Flucht oder Angriff. So etwas muss ich als Mutter oder Vater erkennen, damit ich meinem Kind helfen kann!“, sagt Ngigi. Wichtig sei auch zu wissen, dass Rassismus nicht angeboren, sondern ein erlerntes Verhalten sei.

Die eigenen Erfahrungen reflektieren: Viele Eltern mit dunkler Hautfarbe in Europa haben selbst Rassismus erlebt. „Als ich vor 15 Jahren aus Kenia nach Italien kam, musste ichfeststellen, dass viele Arbeitgeber meine Qualifikationen nicht anerkannten. Das tat weh, aber deshalb gehe ich nicht davon aus, dass alle Europäer so denken!“, sagt Ngigi. Es sei wichtig, dass Eltern ihre eigenen Erfahrungen reflektieren anstatt Vorurteile aufzubauen und an die Kinder weiterzugeben.

Den Reichtum der eigenen Kultur bewusstmachen: „Meine Kinder haben sowohl italienische als auch kenianische Wurzeln und sie sind auf beides stolz“, sagt Ngigi. Es stärke die Kinder, wenn die Eltern ihnen ein Bewusstsein für ihre Kultur vermitteln. „Dabei geht es nicht um besser oder schlechter, sondern darum, den Reichtum und die Einzigartigkeit einer jeden Kultur zu feiern!“, sagt Ngigi.

Dem Kind zuhören: Wenn das eigene Kind aufgrund seiner Hautfarbe gemobbt werde, sei zuallererst wichtig, zuzuhören. „Manche Eltern halten es nicht aus, dass ihr Kind solche Dinge erlebt, und verschließen sich, aber dann bleibt das Kind alleine mit seinen Erlebnissen!“, sagt Ngigi. Entscheidend sei, offen über den Vorfall zu sprechen, dem Kind immer wieder zu vermitteln, dass es nichts falsch gemacht habe und dass die Anfeindungen nichts über ihn oder sie aussagen.

Eine gute Antwort finden: „Eltern können ihrem Sohn oder ihrer Tochter dabei helfen, selbstbewusst zu antworten, anstatt reflexhaft mit Wut oder Angst zu reagieren“, sagt Ngigi. Ihr eigener Sohn habe im Alter von acht Jahren rassistische Äußerungen durch einen Klassenkameraden erfahren. „Wir haben zusammen überlegt, was er tun kann. Beim nächsten Mal hat er dem Jungen in die Augen geschaut, ihm laut und deutlich gesagt, dass er das nicht möchte und dass der Junge aufhören soll. Das hat funktioniert.“

Das Umfeld mit einbeziehen: Nicht immer lässt sich ein Vorfall so einfach klären. „Eltern sollten keine Hemmungen haben, zum Beispiel auch die Lehrer mit einzubeziehen und im Umfeld um Unterstützung zu bitten. Jeder rassistische Vorfall muss ernstgenommen und dem betroffenen Kind vermittelt werden: Du hast ein Recht auf einen respektvollen Umgang“, sagt Teresa Ngigi.

In SOS-Kinderdörfern sind alle Kinder gleich: Die SOS-Kinderdörfer sind vielerorts ein lebendiges Zeichen gegen Rassismus und Diskriminierung: Es gehört zu ihren Grundsätzen, Kinder in Not zu unterstützen, unabhängig von ihrer Herkunft, Hautfarbe oder Religion. Im SOS-Kinderdorf Ksarnaba im Libanon wachsen Sunniten, Schiiten und Christen zusammen auf, in den SOS-Kinderdörfern in Ecuador finden sowohl Nachkommen der Ureinwohner als auch der europäischen Einwanderer ein Zuhause und in Indien freuen sich christliche Kinder, die Feste ihrer Hindu-Freunde mit zu feiern – und umgekehrt.

Dieses ist der II. Teil des Rassismus-Ratgebers der SOS-Kinderdörfer. Teil I ist unter https://www.sos-kinderdoerfer.de zu finden. Er gibt Hilfestellung für weiße Eltern, die mit ihren Kindern über Rassismus sprechen wollen.

Quelle: Pressemitteilung von SOS Kinderdörfer weltweit vom 11. Juli 2020

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Hinweis: Die Meldungen in diesem Newsletter geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktionsleitung wieder.

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